Optische Illusionen – Verblüffende Tricks und Farbenspiele

Wer bei einem Buch über optische Illusionen an eine Spielerei denkt, die nur mit Gucken, bzw. auf  z. T. merkwürdig erscheinende Bilder zu starren, zu tun hat, wird schnell merken, dass der Weg über die Sinnestäuschung schnurstracks in die Tiefen von Physik, Biologie, Hirnforschung und Psychologie führt. Kurzweiliger, spannender und interessanter kann Lernen nicht sein. Vor allem weil man gar nicht merkt, dass jeder optische Zaubertrick mit zahlreichen Sachinformationen versehen ist, die in kleinen sehr überschaubaren und gut verständlichen Portionen daherkommen. Fasziniert von sich plötzlich drehenden Kreisen, liest man automatisch den kurzen Text, um die Begründung für dieses Phänomen zu erhalten.

Mir persönlich ging es so, das ich viele Texte mehrmals gelesen habe, weil ich gar nicht glauben wollte, das sich in dem still auf dem Tisch liegenden Buch Dinge durch bloße Betrachtung zum Leben erwecken lassen. In 12 Kapiteln wird man als Leser systematisch in die Welt der Farben, Formen und Täuschungen mit all ihren Auswirkungen auf unser Auge und Gehirn eingeführt. Neben den vielfältigen Beispielen optischer Tricks, beinhalten manche Seiten zusätzliche Überraschungen. Sehr schön gemacht ist z. B. das Pop-up-Element ganz am Anfang. Um dem Ursprung der Farbe auf den Grund zu gehen, wird mithilfe eines aufplopenden Regenbogens veranschaulicht, dass dies der Effekt ist, der entsteht, wenn ein weißer Lichtstrahl durch ein Prisma gelenkt wird.

Das Buch ist ein Spaß für die ganze Familie und lädt immer wieder dazu ein, es einfach zur Hand zu nehmen, aufzuschlagen und sich von den dargebotenen Illusionen in Bann ziehen zu lassen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Dorling Kindersley, Optische Illusionen – Verblüffende Tricks und Farbenspiele, 2015, € 16,95.

Zarah & Zottel – Ein Pony auf vier Pfoten

Als wir 1989 aus ländlicher Ruhrgebietsidylle an den Niederrhein gezogen sind, haben meine Eltern es geschafft, den bevorstehenden Umzug als Abenteuer darzustellen. Meine Geschwister und ich haben uns gefreut und höchst motiviert die Schätze aus dem Kinderzimmer in Kartons gepackt. Alles war wunderbar, bis nach den Sommerferien der erste Schultag vor der Tür stand. Über die Tatsache, dass wir in der Schule plötzlich die bzw. der Neue sein werden hat keiner von uns nachgedacht. Die neugierigen und bisweilen auch ablehnenden Blicke in den ersten Tagen wird wohl keiner von uns vergessen.

In der herrlich unkonventionellen Vor- und Selbstlesegeschichte von Jan Birck, erfährt die unternehmungslustige Zarah in der neuen Umgebung zunächst eine mehr als deutlich vorgetragene Ablehnung. Hubert und die anderen Kinder im Hof reklamieren das Terrain für sich und Zarah trottet enttäuscht zurück in die Wohnung. Die Mutter, ein Multitalent im Benutzen von Bohrmaschine und anderen Gerätschaften, rät der Tochter zu einem erneuten Versuch der Kontaktaufnahme. Dieser gerät allerdings vollkommen anders, als Mutter und Leser sich vorstellen. Zarah beschließt einen vierbeinigen Freund zu suchen. Ein Pferd, besser noch ein Pony, denn das ist handlicher und passt auch in den Aufzug. Wer nun glaubt, der Wunsch stelle sich als Hirngespinst heraus, irrt. Die fidele Zarah findet im „Laden für alles“, tatsächlich ein Pony, Die frappierende Ähnlichkeit mit einem Hund wird erfolgreich ausgeblendet und es dauert auch nicht lange, bis Pony Zottel und die stolze Besitzerin in einer blitzschnell durchgeführten Rettungsaktion nicht nur Huberts, sondern auch die Herzen der anderen Kinder gewinnen. Dass der Ladenbesitzer sich mit  – von den Kindern zusammengelegten – € 6,50 für den Ponyhund begnügt und die Mutter als alleinerziehende Notärztin aufgrund des Umzugs gerade kein Geld für ein Tier übrig hat, macht die einzelnen Figuren noch sympathischer.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Birck, Jan: Zarah & Zottel – Ein Pony auf vier Pfoten, Sauerländer Fischer, 2017, € 9,99.

 

Weck bloß Tiger nicht auf!

Das illustriertes Papier mit ein bisschen Text zwischen zwei Buchdeckeln ohne elektronischen Schnickschnack so intensiv   interaktiv sein kann, dass man als lesende und betrachtende Person das Gefühl hat, die Seiten erwachen zum Leben, ist spätestens seit dem Erscheinen des Mitmacht Buchs von Hervé Tullet bei lesebegeisterten großen und kleinen Buchguckern bekannt. Um weitere gelungene Beispiele für ein aktives Miteinander zwischen Buch und Lesenden zu nennen, reichen die Finger an einer Hand kaum noch aus. Um so erfreulicher ist es, wenn der bestehende Buchreigen durch eine weitere ausgesprochen gelungene Neuerscheinung bereichert wird.

Britta Teckentrup lässt uns die Bekanntschaft mit dem schlafenden Tiger machen. Gut sichtbar liegt er da in seiner ganzen Pracht und schläft tief und fest. Von links schauen Storch, Fuchs, Maus, Frosch und Schildkröte betreten ins Bild. Der Blick – wie sollte es anders sein – ist auf den schlafenden Tiger gerichtet. Das Problem liegt auf der Hand. Tiger liegt im Weg. Genau da, wo der gestreifte Kerl sein Schläfchen hält, müssen die anderen Tiere vorbei, ohne den Schlafenden dabei aufzuwecken. Diese schwierige und anspruchsvolle Aufgabe kann natürlich nur mit Hilfe der Lesenden gemeistert werden. Die müssen ganz schön mutig sein, ich für meinen Teil habe ganz schön geschwitzt, als ich die Nase des Tigers gestreichelt habe. Kaum war diese Hürde genommen, musste ich dem Fuchs helfen, auf einem Luftballon über Tiger hinweg zu fliegen. Um den stattlichen Fuchs über den Tiger zu befördern, braucht man ganz schön Lungenvolumen. Der Ganzkörpereinsatz lohnt aber auf jeden Fall. Am Ende der Strapazen wartet nämlich eine tolle Überraschung.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Teckentrup, Britta: Weck bloß Tiger nicht auf!, annette betz, 2017, € 14,95.

Cat Deal – Die Kunst zu stehlen

Wer mit 16 Jahren seinen Lebensunterhalt mit Fassendklettern und Einbrüchen in Wohnungen und Häuser wohlhabender Londoner bestreitet, hat zweifelsohne eine Menge kriminelle Energie. Wer mit 16 Jahren alleine auf einem Hausboot wohnt, weil das geliebte Haustier in Gestalt von Ratte Simon nicht mit den Hygienevorschriften mit dem von der Tante betriebenen Pub in Einklang zu bringen ist, nicht im Chaos versinkt, regelmäßig die Schule besucht, bei außerordentlicher Intelligenz passable Noten hat, weil man gerade das Nötigste tut, hat offenbar ein paar wesentliche Dinge fürs Leben bereits verinnerlicht.

Cat, die als Achtjährige bei einem Attentat ihren Vater verloren hat und deren Mutter unbekannt ist, lebt zunächst einige Jahre bei ihrer Tante, bis sie mit besagtem Haustier auszieht. Ihre Karriere als Diebin verläuft rasant und beginnt aus einer Laune heraus. Wohlwissend, wie es ist mit wenig Geld auskommen zu müssen und für dieses Wenige hart zu arbeiten, beschließt sie nur ausgesprochen Wohlhabende Leute zu bestehlen. Natürlich ändert dies nichts an der Tatsache, dass sie gegen das Gesetz verstößt, aber das hat Robin Hood schließlich auch und spätestens seit dieser charismatische Held Eingang in den literarischen Kanon gefunden hat, weiß man um die Schwierigkeit zwischen Gesetz und Gerechtigkeit. Genau an diesem neuralgischen Punkt setzt Kate Frey mit ihrer bestechend konstruierten Geschichte an.

In Lord Peter findet Cat einen Mentor, der es sich als angesehenes Mitglied der Londoner High Society zur Aufgabe gemacht hat, Beutekunst aus dem Zweiten Weltkrieg ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Der Blick hinter die Kulissen des weltweiten Kunstbetriebs ist verstörend und spannend und einmal mehr wird die Frage nach Recht und Gerechtigkeit bzw. Moral und Unmoral aufgeworfen.

Buchtipp von Minea Süss 

Ab 13 Jahre.

Frey, Kate: Cat Deal. Die Kunst zu stehlen, Ueberreuter, 2017, € 14,95.

Das wundersame Leben der Schmetterlinge

Schon vor etlichen Wochen, als es eigentlich noch zu früh im Jahr war, flog zu meinem Erstaunen ein Schmetterling an mir vorbei. Es blieb nicht der Einzige und auch heute zog ein – zwar sehr kleines, dafür aber umso leuchtenderes Exemplar – trotz der winterlich anmutenden Temperaturen, meine Blicke auf sich. Offenbar sind diese filigran und zerbrechlich wirkenden Wesen stärker als sie aussehen und halten wahrscheinlich bei etwas intensiverer Beschäftigung die eine oder andere Überraschung bereit. Mehr enttäuscht als erstaunt war ich z. B. vor drei Jahren, als sich die leuchtend orange, daumendicke und acht Zentimeter große Raupe, die sich zudem noch wild aufbäumte (ja, sie hat sich wirklich aufgebäumt) als  zukünftiger Weidenbohrer herausstellte. Im Gegensatz zu der Raupe ist der Falter klein und mit seiner steingrauen Farbe auch nicht wirklich auffällig. Eine wahre Augenweide sind hingegen die Raupen und Schmetterlinge, die sich in dem eindrucksvoll illustrierten Sachbilderbuch von Dianna Hutts Aston und Sylvia Long zwischen den Seiten verstecken. Schlägt man das Buch auf, taucht man schon auf der ersten Doppelseite in die faszinierende Farb- und Formenvielfalt dieser in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien so vollkommen anders aussehenden Lebewesen ein. Auf den Folgeseiten erfahren Lesende in kurzen, gut verständlichen Texten alles, was man über Schmetterlinge, ihre Entwicklung, Verbreitung, Größe, Fähigkeiten und Eigenschaften wissen möchte. Zudem erfährt man viele Dinge, die einen in großes Erstaunen versetzen.  Für mich ist es kaum vorstellbar, dass diese federleichten Tiere tausende von Kilometern in einer Flughöhe von über 3300 m bewältigen können. Wenn Sie wissen möchten, welche Art zu solchen Rekordleistungen fähig ist, dann gönnen Sie sich den Blick in dieses so andere Buch der Rekorde.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Hutts Aston, Dianna; Long, Sylvia: Das wundersame Leben der Schmetterlinge, Loewe, 2017, € 12,95.

William Wenton und die Jagd nach dem Luridium

Alles was technisch, rätselhaft und nicht auf den ersten Blick verständlich wirkt, übt eine geradezu magische Anziehung auf William aus. Ohne es zu wissen, hat er von seinem – vor acht Jahren verschwundenen – Großvater eine besondere Fähigkeit geerbt. Mühelos kann der Junge die schwierigsten Codes knacken oder technische Gimmicks nur durch genaues Anschauen nachbauen. Mit seiner überaus schnellen Auffassungsgabe und dem kaum zu unterdrückenden Drang den Dingen auf den Grund zu gehen, eckt William in der Schule allerdings immer wieder unfreiwillig an. Sein Klassenlehrer Herr Humburger hat ihn regelrecht auf dem Kieker und seine Eltern sind regelmäßige Treffen und Telefonate mit dem Rektor schon gewohnt. William weiß, dass er nicht auffallen darf, schließlich sind er und seine Eltern Inkognito, d. h. unter falschem Namen in Norwegen. Warum genau, verraten die Eltern dem Jungen nicht.

Erst nachdem William, vollkommen unfreiwillig, bei einem Ausstellungsbesuch den schwierigsten Code der Welt entschlüsselt, kommt er nach und nach dem Geheimnis seiner Vergangenheit und dem wahren Grund seiner außergewöhnlichen Begabungen auf die Spur.

Robbie Peers hat eine sympathische Figur geschaffen, die in dem Bemühen sich möglichst unauffällig zu verhalten oftmals genau das Gegenteil erreicht. Die natürliche Neugier des vielseitig interessierten Jungen, manövriert ihn immer wieder in unangenehme Situationen. Dennoch gibt William nicht auf und verfolgt konsequent sein Ziel das Geheimnis um das Verschwinden seines Großvaters zu lüften. Hierbei ist ihm nicht nur die loyale und pfiffige Iscia, sondern auch eine Vielzahl witziger und schräger Roboter eine Hilfe.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Peers, Bobbie: William Wenton und die Jagd nach dem Luridium, Carlsen, 2017, € 14,99.

 

 

Regen

Die Regentropfen auf dem Cover sind so plastisch, dass ich mich dabei ertappe, wie ich immer wieder mit der Hand über das Titelbild streiche. Bei Vertreterbesuchen ist genau dieser Handlungsablauf ein lieb gewonnenes Ritual einer Kollegin. Es versteht sich von selbst, dass nur besonders schöne Bücher in den Genuss solcher Streicheleinheiten kommen.

Tatsächlich sind die Regentropfen und auch der Titel aus einem leicht erhabenen, glänzenden Material fühlbar aufgetragen. Je nachdem wie das Licht auf das Buch fällt, entsteht der Eindruck realer Tropfen auf einer Fensterscheibe. Sofort hört man das rhythmische  Geräusch prasselnden, klatschenden, trommelnden und gluckernden Regens. Fühlt die nasskalte Luft und den unbändigen Drang mit Gummistiefeln, Regenjacke und Schirm durch das nasse Vergnügen zu laufen. Sam Usher entführt uns in eine absolut positiv besetzte Welt dieses Naturphänomens und lässt uns aus der Sicht des Kindes die ungeahnten Möglichkeiten eines Regentages in großformatigen Bildern erleben. Bis das Abenteuer  beginnt, ist allerdings Geduld gefragt. Opa hat nämlich einen Brief bekommen und aufgrund der sich plötzlich einstellenden sehr gesunden Gesichtsfarbe ahnt man, dass es sich keinesfalls um eine Rechnung handelt. Das Drängen des Enkels erfolgreich ignorierend, nimmt Opa sofort die Antwort in Angriff. Kaum ist diese im Kuvert verstaut, übertrifft der alte Herr seinen Enkel mühelos an Ideen und Aktionismus. Der Gang zum Briefkasten wird zu einer Reise durch Venedigs Wasserstrassen. Bei so viel Abwechslung und guten Ideen, freut man sich auf den nächsten Regentag. Wasserdichte Schuhe, Regenjacke und einen großen Schirm habe ich schon bereit gelegt. Jetzt gucke ich zum Himmel und warte, dass die dunkler werdenden Wolken ihre Wasservorräte ins Freie lassen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Usher, Sam: Regen, annette betz, 2017, €14,95.

Mach dein eigenes Alien Abenteuer

Als Kind faszinierte mich die Möglichkeit in ein Buch zu malen genauso, wie sie mich abschreckte. Von meiner Mutter hatte ich eine Kinderbibel bekommen, in der auf der linken Seite immer eine Bibelgeschichte stand und auf der rechten Seite war bei jeder zweiten Geschichte anstelle des Bildes eine große gerahmte Fläche zum selber Malen. Die Angst, dies besondere Buch zu verunstalten war durchaus berechtigt. Das hochwertige, leicht beschichtete Papier vertrug sich mit den Buntstiften nur sehr bedingt. Ein gleichmäßiger Farbauftrag war kaum möglich und somit kam das Projekt nicht über das Anfangsstadium hinaus. Erfolgreicher waren die Versuche in der wunderbaren Malschule von James Krüss. Der Bleistift glitt geschmeidig über das Papier und lediglich die Erkenntnis die einfach wirkenden Figuren nicht in Null Komma Nichts auf das Papier zu bringen, bremsten den anfänglichen Enthusiasmus.

Als ich mich nun in die skurile Mischung zwischen Geschichte und Mitmachbuch von Andrew und Chris Judge vertiefte, hatte ich Mühe, den sehr konkreten Anweisungen auf jeder Seite nicht Folge zu leisten. Die Geschichte des kleinen Aliens, der mit seinem Raumschiff unfreiwillig auf einem Schulhof landet und unschuldig durch das Fenster in einen Klassenraum schaut, ist herrlich schräg. Die kreischende Frau Rotstift in ihrer Rolle als Lehrerin ist eine wahre Freude, genauso wie die neugierige Karla Kritzel. Ohne nachzudenken nimmt sie die Verfolgung des ungewöhnlichen Besuchers auf und rast los. Bevor sie durch das Schultor geht, muss sie sich aber noch schnell eine Genehmigung zum Verlassen des Schulgeländes holen. Wir als Lesende müssen das auch. Ist das geschafft, kann das Abenteuer richtig losgehen und mit unseren Zeichenbeiträgen sind wir unmittelbar ein Teil davon.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Judge, A. und C.: Mach dein eigenes Alien Abenteuer, Gulliver, 2017, € 9,95.

Die Schule für kleine Hunde – Polly und der Wurstdieb

Die Zeiten, in denen sich Hunde ungestört durch die Welt schnüffeln konnten, sind vorbei. Schlafen, fressen, der Nachbarkatze oder dem Kollegen auf der Hundewiese hinterher jagen, sich genüsslich in einem unscheinbaren Häufchen Dreck wälzen und sich diebisch über den tollen neuen Körperduft freuen, sind Dinge, die der weltgewandte Vierbeiner allenfalls in seinen Träumen genießen kann. Hundemädchen Polly gibt uns einen kurzweiligen und spannenden Einblick in den modernen Hundealltag. Vergnügt macht sie sich jeden Morgen auf den Weg in die Schule, schließlich will sie auch so ein erfolgreicher und unerschrockener Polizeihund werden wie ihr Vater und ihre Mutter. Gemessen an ihrem tatkräftigen Einsatz auf dem Schulweg, stehen die Aussichten mehr als gut, dass Polly in naher Zukunft offiziell für Recht und Ordnung eintreten kann. Leider führt ihr Engagement für das kleine Mädchen, dessen Teddybär verloren gegangen ist und der netten alten Dame, die beim Überqueren der Straße dringend Hilfe benötigt, erst einmal nicht zum gewünschten Erfolg. Die konkrete Anwendung des Schulstoffs im Alltag, verzögert Pollys Eintreffen in der Schule beträchtlich. Zu allem Überfluss glaubt man ihr den Grund für die Verspätung nicht und von der wichtigen Prüfung wird sie an dem Tag auch ausgeschlossen. Was als nette Hundegeschichte beginnt, wendet sich unversehens zum Hundekrimi. Polly muss ihren ganzen Scharfsinn und Mut aufbringen, um zu beweisen, dass sie die Leckerlis, die sie zur Strafe bewachen soll nicht aufgefuttert hat. Die spannend und lustig erzählte Geschichte des quirligen Hundemädchens ist aufgrund der größeren Schrift und des doppelten Zeilenabstands sowie der zahlreichen Bilder bestens für Kinder ab Ende der ersten Klasse zum Selberlesen geeignet.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Lewis, Gill: Die Schule für kleine Hunde – Polly und der Wurstdieb, dtv Junior, 2017, € 8,95.

 

Mississippi Bande

Schon auf den ersten Seiten dieses gelungenen Abenteuerromans spürt man förmlich die feuchtwarme Südstaatenhitze auf der Haut. Davide Morosinotto entführt uns in bester Huckleberry Finn Manier in den tiefen Süden der USA zur Zeit der Jahrhundertwende. Nicht nur die plastischen Beschreibungen des weit verzweigten Mississippi Deltas, sondern auch die authentischen Karten-, Katalog- und Zeitungsausschnitte, die in loser Reihenfolge die einzelnen Kapitel schmücken, erhöhen das Lesevergnügen beträchtlich und vermitteln das Gefühl der direkten Teilhabe. Die unglaubliche Vielzahl verlockender Produkte, die auf den Katalogseiten bestaunt werden kann, hat mir meine eigene Leidenschaft für diese dicken Wälzer in der Kindheit in Erinnerung gerufen. Fern der nächsten großen Stadt, kündeten der Quelle und Neckarmann Katalog von Verlockungen aus einer anderen Welt. Umso verständlicher erscheint der Drang, der vier wie Pech und Schwefel zusammenhaltenden Kinder etwas aus dem vielgeliebten Katalog zu bestellen, als sie die für sie schier unermessliche Summe von drei Dollar finden. Ausgerechnet diese heimlich getätigte Bestellung, ist der Beginn eines unglaublichen Abenteuers, einer Reise quer durch das Land, durch verschiedene Bundesstaaten, zunächst mit einem Einbaum, dann auf einem Dampfer schließlich mit der Eisenbahn, immer das Ziel Chicago vor Augen, um dort beim Versandhändler persönlich den falsch gelieferten Gegenstand abzugeben. Natürlich birgt die irrtümlich gelieferte Taschenuhr ein Geheimnis und führt die Kinder auf die Spuren eines Verbrechens, dessen Aufklärung bisher noch niemandem gelungen ist. Das Zusammenspiel der Stärken der vier sehr unterschiedlichen Charaktere, von denen mit Julie und Tit ein Geschwisterpaar dabei ist, verhilft schließlich der Wahrheit ans Licht und stellt gleichzeitig die Weichen für das spätere Leben der vier.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Morosinotto, Davide: Die Mississippi Bande – Wie wir mit drei Dollar reich wurden, Thienemann, 2017, € 14,99.