Weck bloß Tiger nicht auf!

Das illustriertes Papier mit ein bisschen Text zwischen zwei Buchdeckeln ohne elektronischen Schnickschnack so intensiv   interaktiv sein kann, dass man als lesende und betrachtende Person das Gefühl hat, die Seiten erwachen zum Leben, ist spätestens seit dem Erscheinen des Mitmacht Buchs von Hervé Tullet bei lesebegeisterten großen und kleinen Buchguckern bekannt. Um weitere gelungene Beispiele für ein aktives Miteinander zwischen Buch und Lesenden zu nennen, reichen die Finger an einer Hand kaum noch aus. Um so erfreulicher ist es, wenn der bestehende Buchreigen durch eine weitere ausgesprochen gelungene Neuerscheinung bereichert wird.

Britta Teckentrup lässt uns die Bekanntschaft mit dem schlafenden Tiger machen. Gut sichtbar liegt er da in seiner ganzen Pracht und schläft tief und fest. Von links schauen Storch, Fuchs, Maus, Frosch und Schildkröte betreten ins Bild. Der Blick – wie sollte es anders sein – ist auf den schlafenden Tiger gerichtet. Das Problem liegt auf der Hand. Tiger liegt im Weg. Genau da, wo der gestreifte Kerl sein Schläfchen hält, müssen die anderen Tiere vorbei, ohne den Schlafenden dabei aufzuwecken. Diese schwierige und anspruchsvolle Aufgabe kann natürlich nur mit Hilfe der Lesenden gemeistert werden. Die müssen ganz schön mutig sein, ich für meinen Teil habe ganz schön geschwitzt, als ich die Nase des Tigers gestreichelt habe. Kaum war diese Hürde genommen, musste ich dem Fuchs helfen, auf einem Luftballon über Tiger hinweg zu fliegen. Um den stattlichen Fuchs über den Tiger zu befördern, braucht man ganz schön Lungenvolumen. Der Ganzkörpereinsatz lohnt aber auf jeden Fall. Am Ende der Strapazen wartet nämlich eine tolle Überraschung.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Teckentrup, Britta: Weck bloß Tiger nicht auf!, annette betz, 2017, € 14,95.

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