Eselsbrücken – Merksätze, Gedichte und ganz viel Lustiges

eselsbrueckenMerksätze und Eselsbrücken gehören seit Generationen zum Schulalltag wie Pausenbrot und Spickzettel. Verfügt man über ein großes Repertoire dieser zum Teil bewusst an Nonsensverse erinnernden Lernhilfen, benötigt man das in schweißtreibender Arbeit hergestellte Zettelchen gar nicht. Auf keinen Fall sollte man sich von der an Schulfächern orientierten Aufteilung abschrecken lassen. Die unter Sachkunde, Mathematik und Deutsch zusammengetragenen Reime vermitteln unzählige Tipps und Fakten zu den unterschiedlichsten Themengebieten der einzelnen Fächer. Zwischen den Buchdeckeln können Grundschulkinder (und ihre Eltern) eine Vielzahl an Informationen entdecken und mithilfe des Registers gezielt nachschlagen. Ich persönlich finde beim Lesen dieses Buches die Zufallsvariante besonders unterhaltsam. Man schnappe sich das Buch, suche sich einen gemütlichen Leseplatz und schlage dann einfach irgendeine Seite auf. Das Ergebnis ist immer eine Überraschung. Geprägt von dem berühmten Spruch zur Gründung Roms, der mit acht Worten sehr übersichtlich daherkommt (753 Rom kroch aus dem Ei), finden sich zu meinem Erstaunen auch zahlreiche Beispiele für umfangreichere Lerneinheiten, die ich mir als Kind gewünscht hätte. Gilt es z. B. sich die  16 Bundesländer mit ihren Landeshauptstädten zu merken, seien an dieser Stelle die „Bundesländer-Limericks“ empfohlen. Hoch im Norden fängt es an.

„Im Nebel trieb ein Surfer aus Kiel auf seinem Brett, er sah nicht mehr viel. Ach, wenn er wüsste: Ganz nah war die Küste. Schleswig-Holstein – das wäre sein Ziel.“ (S. 31)

Ergänzt werden die Texte von witzigen Illustrationen. Dem Autorenteam Eva Bade und Cordula Thörner ist somit ein originelles Lese-Lern-Bilderbuch gelungen, das man gerne zur Hand nimmt

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Bade, Eva; Thörner, Cordula: Eselsbrücken – Merksätze, Gedichte und ganz viel Lustiges, Carlsen, 2016, € 12,99.

 

Gilly Hopkins – Eine wie keine

gilly-hopkinsMan muss kein bestimmtes Lebensalter haben, um einen Weltenzorn zu verspüren, der sich gegen Jeden und Alles richtet. Galadriel Hopkins, Gilly genannt, ist elf Jahre alt und verfügt aufgrund ihres Schicksals als Pflegekind über ein beträchtliches Maß an negativer Energie. Zum Glück für sich und andere, nutzt sie diese bis auf wenige Ausnahmen für gute Dinge. Gefangen in der unstillbaren Sehnsucht nach ihrer Mutter und richtigen Familie, lässt sich das hochintelligente Kind immer wieder zu kleinen Bösartigkeiten hinreißen. Ausgerechnet in der naiv wirkenden neuen Pflegemutter der verwitweten Maime Trotter und der geradlinigen sich stets unangreifbar gebenden Klassenlehrerin Miss Harris, findet sie ebenbürtige „Gegnerinnen“, die ihr ohne nennenswerte pädagogische Großmaßnahmen den richtigen Weg zeigen. Die Zauberformel dieser beiden grundverschiedenen Frauen, die einander nie begegnen, ist so schlicht wie einfach. Liebe und Zuwendung und eine Begegnung auf Augenhöhe.

Gespannt und bewegt liest man, welche Anstrengungen Gilly unternimmt, um zu ihrer leiblichen Mutter zu kommen. Momente des Unrechts werden dabei immer häufiger von Anflügen echter Zuneigung und Hilfsbereitschaft abgelöst. Aus dem ungleichen Quartett bestehend aus Maime Trotter, Pflegekind William Ernest, dem blinden und betagten Nachbarn Herrn Randolph und Gilly wird schließlich so etwas wie eine Familie. Aber gerade in dem Moment, wo sich alles in ruhigen Fahrwassern zu bewegen scheint, wird alles auf den Kopf gestellt. Plötzlich tritt Gillys richtige Familie in Gestalt der Mutter und Großmutter in das Leben des Kindes und damit auch die Erkenntnis, dass ein sich erfüllender Wunsch nicht automatisch das große Glück bedeutet. Aber auch hier weiß Maime Trotter, wie sie Gilly helfen kann. „Ich hab nich gesagt, dass das Leben schlimm ist. Sondern dass es hart und mühsam ist. Und wenn man eine schwere Aufgabe gut hinkriegt, dann ist man auch glücklich.“ (S. 204)

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Paterson, Katherine: Gilly Hopkins – Eine wie keine, Fischer-Sauerländer, 2015, € 12,99.

Der zauberhafte Wunschbuchladen

wunschbuchladenZieht die beste Freundin weg, sinkt die Stimmung in den Keller und verzweifelt wird nach einer Möglichkeit gesucht, das Unvermeidbare doch irgendwie zu verhindern. Die Idee die beste Freundin zu diesem Zweck in der Lieblingsbuchhandlung zu verstecken ist eine reine Verzweiflungstat und kann den Lauf der Dinge auch nicht ändern. Mit buchhändlerischer Intuition und einem untrüglichen Gespür für wunde Kinderseelen, bemerkt Frau Eule schnell, dass Clara einen „blinden Passagier“ in den Laden geschmuggelt hat. Für Frau Eule gibt es aber keine Situation, die man nicht  mit den unvergleichlichen Schokotörtchen des benachbarten Bäckers und einer Tasse Kakao wenn nicht lösen, so zumindest zum Besseren wenden kann. Es ist aber nicht nur das große Herz der engagierten Ladenbesitzerin, sondern auch der zum Inventar gehörende Kater Gustaf nebst dem interessanten Spiegel Herrn König, die den Mädchen mit sicherem Blick und patenten Ratschlägen im Handumdrehen gute Laune und ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ein bisschen Magie verschönt und erleichtert das Leben, schützt aber leider nicht vor Alltagsproblemen. Ohne Lene ist Clara plötzlich den Sticheleien von Vivi und deren Freundinnen ausgesetzt, ausgerechnet der Neue in der Klasse sucht sich den freien Sitzplatz neben ihr aus und der heimelige Rückzugsort, die Buchhandlung von Frau Eule, ist in ihrer Existenz bedroht. Katja Frixe gelingt es, mit dem „Wunschbuchladen“ einen wahrhaft magischen Ort zu erschaffen, ohne das normale Leben ihrer sympathischen Protagonisten zu vernachlässigen. Die Bewältigung und Lösung der Probleme macht Mut und baut auf den Zusammenhalt von Groß und Klein und die Verlässlichkeit in der Familie und unter Freunden.

 

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Frixe, Katja: Der zauberhafte Wunschbuchladen, Dressler, 2016, € 12,99.

Familie Keck – Das wäre ja gelacht!

familie-keckEs gibt Situationen im Leben, da muss man die Gelegenheit einfach beim Schopf packen. Spot und Sue, ein pfiffiges Hyänenpärchen der Familie der Lachhyänen greifen beherzt mit beiden Pfoten zu, als sie an einem Gewässer im Masai Mara Nationalpark die Rucksäcke eines englischen Touristenpaares entdecken. Letztere sind der romantischen Idee und dem Bedürfnis eines erfrischenden Bades in freier Natur nachgegangen und dem kühlenden Nass leider nicht mehr entstiegen. Die Geschichte, die uns fortan von einem kecken Menschenkind unter dem Siegel des absoluten Wahrheitsgehaltes erzählt wird, ist ebenso absurd wie schräg und ungemein unterhaltsam und witzig. Ausstaffiert mit den Habseligkeiten der allzu abenteuerlustigen Touristen, gelingt es den beiden Savannenbewohnern nach England zu reisen. Geht nicht? Geht doch und zwar einfacher als gedacht. Man übe als Hyäne den aufrechten Gang, ziehe Menschenkleidung inklusive hübscher Kopfbedeckung an, lege am Flughafenschalter freundlich lächelnd den Reisepass neben das Flugticket und schon werden aus zwei wilden Tieren zwei nette Hausbesitzer in einer englischen Kleinstadt. Dort angekommen, erweisen sich die beiden als ein Musterbeispiel gelungener Integration. Mit der unverhofften Geburt quirliger Zwillinge ist das Glück perfekt. Leider wird das Leben dadurch aber auch etwas komplizierter. Schließlich gilt es darauf zu achten, dass die Schwänze des Nachwuchses für Menschenaugen unsichtbar bleiben und instinktive Verhaltensmuster der stets gut gelaunten Kinder in der Schule nicht für Stirnrunzeln beim Lehrpersonal sorgen. Schlimmer noch ist aber der chronisch bärbeißige Nachbar. Mit Argusaugen beobachtet er das turbulente Familienleben und sorgt für einiges Unbehagen. Wie so oft ist aber nichts so, wie es scheint. Ausgerechnet der ungeliebte Herr Kamuffel hat auch ein Geheimnis und erweist sich am Ende als wahrer Freund.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Clary, J.: Familie Keck – Das wäre ja gelacht!, cbt, 2016, € 10,99.

Flohzirkus Pfiffikus

U_5883_1A_FLOHZIRKUS.IND11Bevor der Vertreter des Gerstenberg Verlags mit einem Ansichtsexemplar des „Flohzirkus Pfiffikus“ in Erscheinung trat, war ich mir nicht hundertprozentig sicher, ob es diese besondere Zirkusform tatsächlich gibt. Allein die laute Aussprache des Namens dieser kleinen, sprungfreudigen und starken Tierchen, löst  bei mir schlagartig ein merkwürdiges Kribbeln und Jucken auf der Haut aus und trotzdem  bin ich seit der Grundschule von der Idee eines Flohzirkusses fasziniert. Damals bin ich in den Genuss einer kostenlosen Ausgabe der Kinderzeitschrift „Flohkiste“ gekommen und just in dieser wurde von den artistischen Begabungen von Flöhen berichtet. Heute weiß ich nun, dass es sich um eine seriöse Berichterstattung gehandelt hat und es diese Form der „Dressur“ tatsächlich gibt. Um potentiellen Zweifeln kritischer Leser vorzubeugen, haben Hélène Rajcak und Damien Laverdunt im Anschluss an die zahlreichen Zirkusnummern ihrer 16 Flohdamen eine Doppelseite der Geschichte des Flohzirkus gewidmet. Wer seinen eigenen Zirkus ins Leben rufen möchte, erfährt in der aufschlussreichen Faktensammlung mit historischen Fotomaterial, dass man hierzu Exemplare der Gattung Pulex Irritans – Menschenflöhe, benötigt.

Zu welch außergewöhnlichen Taten die winzigen Tierchen fähig sind, können wir auf großformatigen Doppelseiten bewundern. Jede Doppelseite ist einer besonderen artistischen Attraktion gewidmet und entführt uns in die Welt der Ilusionen und Sensationen. Kinder, die das Lesen gerade für sich entdeckt haben, aber lange Texte noch zu anstrengend finden, werden an den Kommentaren der Akteure und Zuschauer ihre helle Freude haben. So wird im Handumdrehen aus Wimmelbildern ein Wimmelcomic.

 

Buchtipp von Minea Süss

Rajcak, H., Laverdunt, D. : Flohzirkus Pfiffikus, Gerstenberg, 2016, € 14,95

 

 

In der grossen Stadt

in-der-grossen-stadtEine regelmäßig gestellte Frage von Kunden kann ab sofort mit einem strahlenden, „Ja, gibt es wieder. Ist soeben im Diogenes Verlag neu aufgelegt worden.“ beantwortet werden. Richard Scarrys beliebte Bilderbücher, die die große Welt zwischen zwei Buchdeckeln beinhalten, zeigen Groß und Klein, was  um uns herum alles entdeckt werden kann. In der Stadt z. B. ist es interessant zu schauen, welchen Berufen die sympathischen Hunde, Katzen, Schweine, Füchse und all die anderen Vierbeiner nachgehen. Äußerst charmant ist dabei der mehrmals angebrachte Hinweis auf Kinderbücher. So malen Künstler nicht nur Bilder, sondern „Die besten Künstler malen Bilder für Kinderbücher.“ Insofern versteht es sich fast von selbst, dass „die besten Autoren“ ebenfalls auf diesem Gebiet tätig sind. Weiter geht es mit diversen Einkaufsmöglichkeiten, die sich in einer Stadt finden. Mein persönlicher Favorit auf dieser Seite ist der Süsswarenladen. Ja, da kann man schon mal ins Träumen kommen. Ganz bodenständig und sehr geschäftig geht es dagegen auf dem Postamt zu. Hier werden auf einer großen Doppelseite vom Schreiben des Briefes bis zur Zustellung alle wesentlichen Stationen des Versands dargestellt. Die Krönung der umfangreichen Prozedur ist schließlich der Luftsprung von Henris Oma mit dem Brief in der Hand. Es folgen noch zahlreiche andere Stationen wie Feuerwehr, Handwerker, Tischler und Waldarbeiter, Straße und Tankstelle. Der Blick auf die einzelnen Situationen und Tätigkeiten ist stets liebevoll und mit einem kleinen Augenzwinkern versehen. Nach soviel Eindrücken geht es einem am Ende wie „Wachtmeister Meier“. Von all den Erlebnissen in der Stadt ist er rechtschaffen müde und freut sich auf das Abendessen mit seiner Familie. Aber morgen ist ja zum Glück eine neuer Tag …

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Scarry, Richard: In der grossen Stadt, Diogenes, 2016, €18,00.

böse

0720_Schaerer_Boese_Cover_Z.inddDas ich beim Lesen und Betrachten eines Bilderbuchs plötzlich den Atem anhalte und mich nicht traue weiter zu lesen, geschweige denn die nächste Seite umzublättern, hätte ich mir nicht träumen lassen. Obwohl ich die Neuerscheinung von Lorenz Pauli und Kathrin Schäfer aus dem Atlantis Verlag nun schon mehrmals gelesen und angeschaut habe, stellt sich jedes Mal aufs Neue der Schreck über das Verhalten des Pferdes ein. Dabei beginnt die Geschichte eigentlich ganz harmlos. Um sich die Zeit zu vertreiben, haben sich die Bauernhoftiere Ziege, Hund, Taube, Pferd, Schweine und Katze ein Spiel ausgedacht. Nacheinander offenbaren sie den anderen eine Seite ihres Charakters, die Schabernack auf Kosten anderer treibt. Aber eigentlich sind sie ja alle brav und friedlich. Einleitend wird genau dies ausdrücklichst betont und umso größer ist der anschließende Spaß. Das allgemeine Gelächter verstummt erst in dem Moment, wo plötzlich die Maus auftaucht, um ihren Hunger mit ein paar Krümeln, die auf dem Boden liegen zu stillen. Ihr Hunger ist so groß, dass sie die anderen Tiere nicht bemerkt. Still und mit weit aufgerissenen Augen schauen nun alle auf die Katze. Doch da ist das Pferd plötzlich schneller. „Da hebt das Pferd sein rechtes Vorderbein. KLACK tritt das Pferd auf die Maus.“ Entsetzen und Sprachlosigkeit greifen um sich. Aus Spaß ist unversehens bitterer Ernst geworden. Am Ende ist es dem Weitblick und dem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn des Pferdes zu verdanken, dass vermeintliche Boshaftigkeit tatsächlich Leben retten kann und gehörig zum Nachdenken anregt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Pauli, Lorenz; Schärer, Kathrin: böse, Atlantis, 2016, € 14,95.

Travis Delaney – Was geschah um 16:08?

travis-delaneyManchmal schlägt das Schicksal gleich zweimal hintereinander unbarmherzig zu. Nach dem tragischen Unfalltod von Travis Eltern, bemerkt der dreizehnjährige Junge trotz der ihn immer wieder übermannenden Gefühle auf der Beerdigung eine Person, die nicht in den Kreis der Trauernden gehört. Nicht nur die Frage nach der Identität des Unbekannten sondern auch die Frage, warum der Mann mit einer Knopflochkamera die Beerdigung filmt, führt unmittelbar zu dem letzten Fall, an dem Travis Eltern als Privatdetektive gearbeitet haben. Angetrieben von dem unbedingten Wunsch, Gewissheit über die wahre Unfallursache zu erlangen, beginnt der Junge akribisch jedes noch so kleine Detail zu verfolgen und Stück für Stück zu einem Bild zusammenzusetzen. Wider besseren Wissens, setzt er sich bei seinen Recherchen mehr als einmal über die Anordnungen seines Großvaters hinweg und begibt sich in gefährliche Situationen. Dabei handelt er weder unreif, noch lässt er sich von reiner Abenteuerlust zu seinen Alleingängen hinreißen. Eindrucksvoll schildert Kevin Brooks die emotionale Befindlichkeit des Jungen. Hin- und Hergerissen zwischen dem Wunsch auf seinen Großvater zu hören und dem Bedürfnis das Verbrechen an seinen Eltern aufzudecken, folgt er letztlich seinen Instinkten und gerät dabei zwischen die Fronten zweier Geheimdienste. Unterstützung und ein offenes Ohr findet er immer wieder bei seinen Freunden, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft geübt sind im Anwenden und Ersinnen pragmatischer und unkonventioneller Überlebensstrategien im Alltag. Diesem Einsatz ist es auch zu verdanken, dass am Ende zumindest der letzte Fall, an dem seine Eltern gearbeitet haben aufgeklärt werden kann. Die Trilogie um den authentisch dargestellten Jungen lässt sich nicht auf die klassische Spannungsliteratur reduzieren. Der Aspekt der Trauer in all ihren Ausprägungen begleitet die Lesenden durch alle drei Teile und macht Mut sich diesem überwältigenden Gefühl zu stellen und als Teil seiner selbst zu akzeptieren.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 12 Jahre.

Brooks, Kevin: Travis Delaney – Was geschah um 16:08?, dtv, 2016, € 10,95.

 

 

10 kleine Burggespenster gingen auf die Reise

10_kleine_Burggespenster_Vertreter_Cover.inddWas die Munterkeit in den frühen Morgen- bzw. Abendstunden angeht, gehört man entweder zu den Lerchen oder den Eulen. Ich für meinen Teil gehöre seit frühester Kindheit zu dem Frühaufsteher-Federvieh. Für Nachtwanderungen kann und konnte ich mich allerdings immer begeistern, schließlich macht man so etwas ja nicht jeden Tag. Angesichts der sehr ausgedehnten Wanderung, die die 10 kleinen Burggespenster von Susanne Göhlich zu nachtschwarzer Stunde unternehmen, bekommt man augenblicklich Lust, mit Taschen- oder Stirnlampe ausgerüstet loszuziehen, um in nahen und fernen Abenteuerwelten zu landen. Da man den sympathischen, stets gut gelaunten Gesellen nicht alles nachmachen muss, sollte man jedoch unbedingt auf die Vollständigkeit der Gruppe achten. Denn noch bevor es richtig losgeht, sind es nur neun Gespenster, die eine Reise durch die Nacht antreten. Im Verlauf der Unternehmung werden die unterschiedlichsten Ziele angesteuert und trotz aller Vorsicht verschwindet immer ein kleines Gespenst. Die aktuelle Anzahl lässt sich bildlich anhand des am oberen Bildrand angebrachten Registers nachvollziehen. Mit jedem Umblättern verschwindet eins der leuchtend weißen Nachtwesen. Passend dazu erzählt der ergänzende Reim, was zu dem Verschwinden geführt hat. Die Gründe für die stetige Verkleinerung der Reisegruppe sind vielfältiger Natur. Sie reichen von verschlafen, über Angst haben, Erschöpfung, Verzauberung bis hin sich in einen gemütlichen Sessel zurückzuziehen oder in einer Geisterbahn arbeiten. Am Abend jedoch, wenn die Sonne sich langsam neigt und am Horizont verschwindet, sind wie von Zauberhand alle Gespenster wieder in der Burg vereint und fallen nach all den Eindrücken und Erlebnissen in rechtschaffenen Schlaf. Manchmal gibt es eben gute Gründe, warum die Geisterstunde ausfällt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Göhlich, Susanne: 10 kleine Burggespenster gingen auf die Reise, Orell Füssli, 2016, € 9,95.

Tolle Wolle

9783831030804Handarbeits- und Bastelbücher lösen bei mir persönlich allein aufgrund der schönen Bildgestaltung regelmäßig Begeisterungsstürme aus. Zudem drängt sich mir jedes Jahr im Herbst das Bedürfnis etwas aus Wolle herzustellen auf. Der normale Ablauf sieht dann so aus, dass ich einen Schal stricke und das hübsche, vor geraumer Zeit angefangene, Jäckchen zwar weiter bearbeite, aber nicht zur Vollendung bringe. Bis auf die Hälfte eines Seitenteils ist das Werk nun gediehen und mein Optimismus das gute Stück im Weihnachtsgeschäft zu tragen ist enorm gestiegen. Anstelle des traditionellen Schals werde ich mich dieses Jahr aber zwischendurch einem der witzigen und gut erklärten Einsteigerprojekte aus der Strickschule für Kinder von Dorling Kindersley widmen. Über eines der lustigen Tiere, äußerst originell ist die Fledermaus, freuen sich Nichte und Neffe bestimmt. Schaf, Katze, Pinguin und Eule sind auch ganz wunderbar, vor allem weil es sich letztlich immer um die gleiche Grundform handelt, das Ergebnis aber ein vollkommen anderes ist. Darüber hinaus bietet das in bekannter Dorling-Kindersley-Systematik gestaltete Buch mit der Schritt für Schritt Bildanleitung eine Vielzahl kleiner Geschenkideen und Übungsprojekte, die sich problemlos aus Wollresten realisieren lassen. Glücksbringer, Fingerpüppchen und kleine Taschen lassen sich zudem mit Perlen, Bändern und was sich sonst noch in der Handarbeitsrestekiste befindet verzieren. Bevor es jedoch losgeht, befindet sich am Anfang des Buches eine genaue Übersicht über das benötige Material und ein Fotogrundkurs, der in die Technik des Maschenanschlagens, das Stricken rechter und linker Maschen sowie das Abketten einführt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Tolle Wolle, Strickschule für Kinder mit fröhlichen Einsteigerprojekten: Dorling Kindersley, 2016, € 9,95.