Käpt’n Jack und die Piraten

Jack und die PiratenWas gibt es schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein mit der Familie einen Tag am Strand zu verbringen? Nichts, soviel steht für die drei Jungs Jack, Kaspar und Paulchen schnell fest. Kaum am Ort ihrer Träume angekommen, beginnen sie auch schon mit Feuereifer aus Sand, Kleidungsstücken und dem, was sich sonst noch in der Ausstattung für einen Strandtag findet, ein Schiff zu bauen. Sobald das schneidige Gefährt fertig ist, sticht Käpt‘n Jack mit seinen Mannen in See. Piraten suchen schließlich nicht nur Abenteuer, sondern auch Gold und andere Schätze. Das die drei verwegenen Jungpiraten in einen Sturm geraten und auf echte Piraten treffen, hätte sich natürlich keiner träumen lassen.

Nicht nur Sonne und Regen wechseln in dem von Helen Oxenbury großzügig gestalteten Bilderbuch innerhalb des Tagesverlaufs, sondern auch Spannung und Entspannung. Die von Peter Bently in Reimform erzählte Geschichte, stellt die aus dem spontanen Spiel entstehende Handlung in den Mittelpunkt und folgt dem der kindlichen Phantasie entspringenden roten Faden mitten hinein in ein Abenteuer auf hoher See. Da ist es auch nur konsequent, wenn sich die Eltern als Piraten entpuppen und am Ende für das leibliche Wohl der drei Abenteurer sorgen. „Doch manchmal gibt es Wunder, wie jeder von uns weiß – die Piraten sind freundlich und jeder kriegt ein Eis!“

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Oxenbury, Helen, Bently, Peter: Käpt‘n Jack und die Piraten, Aladin, 2016, € 14,95.

Mein Mathe Desaster

mein_mathe-desaster_oder_der_lange_weg_zum_ersten_kuss-9783423761406Auch oder gerade weil der Schulalltag heute von Smartphone und Co stark beeinflusst ist, erinnert eine Geschichte, in der die wortgewandte und um Ausreden selten verlegene Protagonistin zwar Redakteurin des offiziellen Schulblogs ist, aber ansonsten streng analog Dinge macht, die auch mich in fernen Schulzeiten schwelgen lassen, an einen fluffigen Muffin, bzw. Cupcake, wenn man denn Wert auf das zart schmelzende Topping obendrauf legt.

An der ersten Verliebtheit mit allen dazugehörenden Irrungen und Wirrungen aus der Sicht der quirligen Lilly und damit der gesamten Klasse 7 B des Schiller Gymnasiums, inklusive Theater-AG, restlicher Jahrgangsstufe und den berühmten „Großen“ – nicht zu vergessen die stets am Wohle der Schüler interessierten Lehrer- aus unmittelbarer Nähe beiwohnen zu dürfen, ist    Stoff für einen witzigen Lesenachmittag. Lilly, die in ihrer charmant direkten Art kein Blatt vor den Mund nimmt, kennt die Spielregeln und die Nettikette für ihre monatlichen Blogbeiträge sehr genau. Dies hindert sie ,im Sinne eines gewissen investigativen Anspruchs ihrer Berichterstattung, aber keinesfalls daran, die Lesenden mit den brandaktuellen und wirklich wichtigen Neuigkeiten aus den altehrwürdigen Mauern des Schiller-Gymnasiums zu versorgen. Ohne diesen Wahrheitsdrang müssten wir z. B. auf die Begegnung mit dem herrlich skurrilen Kenneth White, seines Zeichens native Speaker aus England und verantwortlich für einen authentischen Sprachunterricht, verzichten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Rylance, Ulrike: Mein Mathe Desaster oder der lange Weg zum ersten Kuss, dtv junior, 2016, € 12,95.

 

In einer Vollmondnacht in meinem Garten

csm_9783407820952_2b0e0a6137Ob die Aktivitäten im Garten meiner Eltern bei Vollmond stattfanden, ist nicht überliefert. Nach erfolgreich beendeter Pubertät verkündete Bruder Nr. 2 mit verklärtem Blick, die Meetings und Freiluftnächte im Vorgarten hinter dem lauschig mit Efeu bewachsenen Zaun seien doch toll gewesen. Da weder die Nachbarschaft, noch wir als Familie von diesen netten Gewohnheiten Kenntnis hatten, ist anzunehmen, dass die Herren sich äußerst gesittet verhalten haben. Vielleicht waren Sie aber auch schlicht sprachlos, weil sie nicht alleine waren. Glaubt man Severin Millet, kann man in Vollmondnächten ganze Gespenstervölkerwanderungen inklusive exotischer Tiere bewundern. Das Stelldichein der Gespenster ist kunterbunt und zeigt die ganze Vielfalt dieser weiß gewandeten, leichtfüßig durch die Luft schwebenden Gesellen. Das Treiben der munteren Schar ist durchaus amüsant und wird von Seite zu Seite wuseliger bzw. wimmeliger. Von Grusel oder Gänsehaut kann keine Rede sein. Fleißig wie die Bienchen werden mit vereinten Kräften zwei Häuser gebaut und auch sofort bezogen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Zwei Häuser in einer Nacht, Einweihungsparty inklusive. Leider findet das geschäftige Treiben mit der aufziehenden Morgendämmerung ein jähes Ende. So schnell, wie die ungewöhnliche Baustelle in einem nächtlichen Garten entstanden ist, befindet sich alles wieder im Urzustand, sind Eule und Maulwurf wieder unter sich und auch die Besucher aus fernen Welten, haben sich verabschiedet. Die Anfahrtswege sind mindestens so beeindruckend wie die Geschwindigkeit, in der hier Häuser fertig gestellt werden. Elefant und Pavian kommen von der anderen Seite der Erdkugel und eine Gespensterdelegation ist gar aus einer anderen Galaxie  angereist. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man das Ganze nur geträumt hat, empfiehlt sich das kurzweilige Buch sofort nochmal anzuschauen und sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Millet,Séverin: In einer Vollmondnacht in meinem Garten, Beltz & Gelberg, 2016, € 13,95.

 

Smart oder Die Welt mit anderen Augen

smart_oder_die_welt_mit_anderen_augen-9783423761345Kieran hat viele besondere Begabungen. Er kann phantastisch Zeichnen, er beobachtet seine Umgebung aufmerksam und wählt die Leute, mit denen er Kontakt hat sorgfältig aus und ist ihnen ein treuer Freund. Im Gegensatz zu anderen Menschen lässt er sich dabei von seinem Herzen leiten oder andersherum: er blickt den Menschen in die Seele und erkennt, ob sie es gut mit ihm meinen oder nicht, bzw. ob sie ehrlich und aufrichtig sind oder nur so tun. Ohne Vorbehalte schenkt Kieran dann seine Freundschaft Menschen, die wie er selber vom Schicksal gebeutelt und ohne eigentlichen Halt im Leben sind. Doch genau das entsteht zwischen dem manchmal verzweifelten aber letztlich doch stets nach vorne blickenden Jungen, der fest an eine gute Zukunft und an eine berufliche Karriere bei einer namenhaften Zeitung glaubt, und der obdachlosen Jean. Durch Jeans Unterstützung gelingt es Kieran seine Oma ausfindig zu machen und die durch den neuen Lebenspartner der Mutter zerstörte Familie ein Stück weit wieder zu vervollständigen und in die Normalität zurück zu führen. Die Freundschaft zu dem gleichaltrigen Karwana lenkt ihn davon ab, dass er häufig von anderen Jugendlichen gegängelt und verspottet wird. Zu guter Letzt ist da auch noch seine Schulbegleiterin, Miss Crane. Miss Crane erklärt Kieran die Welt. Sie ist sein persönlicher Lotse im Nebel des Alltags und in allen zwischenmenschlichen Belangen. Dank ihrer Hilfe und der unverbrüchlichen Liebe seiner Mutter gelingt es dem Jungen Herz und Augen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu öffnen und mit Ausdauer und Beharrlichkeit für Gerechtigkeit zu kämpfen. Schließlich geht es um nicht weniger als einen Mord. Einen Mord an Jeans Freund. Ein Obdachloser unter vielen, der tot aufgefunden und dessen Schicksal schnell zu den Akten gelegt wird.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 13 Jahre.

Slater, Kim: Smart oder Die Welt mit anderen Augen, dtv, 2016, € 14,95.

 

 

Im Jahr des Affen

9783551560193Nicht nur die Verleihung des „Bornheimer 2016″ erinnert an die Tatsache, dass von 1979 bis ca. 1983 zahlreiche Flüchtlinge aus Vietnam in Deutschland Aufnahme, Unterkunft und ein neues Leben fanden. Rupert Neudeck hat mit dem zum Hospitalschiff umgebauten Frachter Cap Anamur dazu beigetragen, dass Flüchtende lebend aus den oftmals viel zu kleinen, klapprigen und  überladenen Booten geborgen werden konnten.

Que Du Luu, 1973 in Saigon geboren, gehört zu den in Vietnam lebenden Chinesen, deren Familie ebenfalls vor dem herrschenden Regime geflohen ist. Mit ihrem Roman „Im Jahr des Affen“ verleiht sie in Gestalt der Protagonistin Mini („Aber Mini wird MINH THI geschrieben.“ S. 192) nicht nur all jenen eine Stimme, die ähnliches erlebt haben, sondern ermöglicht aus der Perspektive der Unbeteiligten, die wir als Lesende ja zwangsläufig einnehmen, wenn nicht ein Einfühlen, dann zumindest ein Öffnen des Blicks für die Sorgen und Nöte des zwischen zwei Kulturen gefangenen Teenagers. Damit steht Mini aber auch stellvertretend für die Jugendlichen, die in dem Aufwachsen verschiedener Kulturen sowohl die Schnittstellen als auch die Grenzen bzw. immer wieder zu bewältigende Konfliktsituationen erleben und meistern müssen. Ausgerechnet in der Euphorie des ersten Verliebtseins wird das junge Mädchen mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und muss einsehen, dass es auch sein Gutes hat, die eigenen Wurzeln zu kennen. Auf der anderen Seite ist sie es, die dem Vater nach dem zweiten Herzinfarkt vermittelt, dass Leben und Ankommen in einem fremden Land auch heißt, sich für Neues zu öffnen. Letzteres sollte uns unabhängig von unserer Herkunft ein Ansporn für das tägliche Miteinander sein. Ein Miteinander zwischen Menschen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 14 Jahre.

Du Luu, Que: Im Jahr des Affen, Königskinder, 2016, €16,99.

Nur ein Tag

65a8fe01e8ca71d05fc7de877512f7eeSkeptisch, ja sorgenvoll trug ich das neue Buch von Martin Baltscheit nach Hause. Eine Geschichte über eine Eintagsfliege, die am Ende tatsächlich stirbt, ist doch bestimmt traurig, was gibt es da schon zu erzählen? Zu erzählen gibt es viel, so viel, wie ein prall gefülltes Leben eben an Geschichten und Erlebnissen, die es wert sind aufgeschrieben zu werden, hergibt. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, aber das Leben des Eintagsfliegenmädchens, dem Fuchs und Wildschwein beim Schlüpfen zusehen, um fortan den einen zur Verfügung stehenden Tag zu begleiten, ist erfüllt und schön. Und wenn man es aus der Sicht der Eintagsfliege sieht, dann ist dieser Tag auch nicht der einzige, sondern „er ist nur der letzte“ (S. 93). In dieser schlichten Feststellung der kleinen Eintagsfliege steckt eine weit greifende Einsicht in das Leben ihrer Gattung. Vom Ei über verschiedene Larvenstadien, findet das Leben einer Eintagsfliege mit dem Schlüpfen seine Vollendung, um am Ende des Tages mit der Eiablage den Zyklus von Werden und Vergehen zu vollenden. Aber was passiert, wenn man nach dem Schlüpfen die Bekanntschaft von Fuchs und Wildschwein macht? Die Natur folgt ihrem Lauf, soviel darf verraten werden, aber dank der beiden sentimentalen und vor Verzückung ob des quirligen Eintagsfliegenmädchens ganz verzauberten Herren, erlebt sie tatsächlich ein ganzes Leben innerhalb weniger Stunden. Im Mittelpunkt aller Geschehnisse steht die tief empfundene Zuneigung zu der kleinen Freundin und der unbedingte Wille ihr Gutes zu tun. Ungezwungen nimmt sich Martin Baltscheit eines sensiblen Themas an und zeigt, dass man für Freundschaft und Liebe nicht aus dem gleichen Holz geschnitzt sein muss und dass jedem Abschied ein neuer Anfang innewohnt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Baltscheit, Martin: Nur ein Tag, Dressler, 2016, € 12,99.

Willi Virus – Aus dem Leben eines Schnupfenvirus

Willi VirusWenn man weiß, dass Schnupfenviren beim Niesen mit einer Geschwindigkeit von, sage und schreibe, 150 km/h durch die Luft düsen,dann bekommt der feststehende Ausdruck in Bezug auf saisonal auftretende Erkrankungen „wie angeflogen“ eine ganz neue Bedeutung. Anschaulich und mit einer angenehmen Prise Humor versehen, erklärt uns der zur Familie der Schnupfenviren gehörende Willi seine Welt. Leicht hat es der arme Kerl natürlich nicht, denn kaum hat er es sich in unserer Nase bzw. Nasenschleimhaut gemütlich gemacht, versuchen wir mit der körpereigenen Abwehr sowie Haus- und Schnupfenmitteln aus der Apotheke dem engagiert erklärenden Kerlchen mitsamt seiner Nachkommenschaft den Garaus zu machen. Bevor es aber soweit ist, dass Willi und Konsorten von dannen ziehen, nutzt er jede Gelegenheit, um uns über die Entstehung, Verbreitung und Behandlung eines Schnupfens zu informieren. Als ernstzunehmender Vertreter seiner Gattung lässt er uns auch über den Tellerrand hinaus schauen und macht uns in Bild und Wort mit einer Reihe anderer Viren bekannt. Dabei erklärt Willi nicht nur unterhaltsam und witzig, sondern auch kurz und knapp. Dies gilt ebenso für die vertiefenden Informationen, die die Sachebene von Willis Ausführungen ergänzen. In kompakten, durchnummerierten Textblöcken, gibt es punktgenaue und gut verständlich formulierte Fakten, die man zu Viren wissen sollte. Besondere Beachtung verdienen auch die Vorsatzblätter dieses künstlerisch  anspruchsvoll gestalteten Sachbuchs. Versehen mit den unterschiedlichsten Nasen, werden uns in 20 Sprachen die Worte für Hatschi und Gesundheit vorgestellt. In diesem Sinne: Aptshi  und Santinho!

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Trpak, Heidi: Willi Virus, Aus dem Leben eines Schnupfenvirus, Tyrolia, 2015, € 14,95.

Entdecke die Jahreszeiten

Entdecke die Jahreszeiten

Spätestens die Begegnung mit der wohlgenährten, braun-grünen Raupe, die am Montag, in einem erstaunlichen Tempo, vor der Ladentür vor mir Reißaus nahm, hat mich der Tatsache ins Auge sehen lassen, dass wir tatsächlich Frühling haben. Da wir uns Weihnachten mancherorts neben Osterglocken auch an einer Frühform der Japanischen Kirschblüte erfreuen konnten, sind meine Frühlingssensoren dieses Jahr etwas desorientiert. Aber eine Raupe zeugt doch davon, dass nun wieder alles in der Jahreszeit grünt, blüht, wächst und gedeiht, wie es sich gehört.

Um sicher zu gehen, habe ich aus gegebenem Anlass die Titel im Bereich Natur und Jahreszeiten in Augenschein genommen. Besonderen Gefallen habe ich dabei an dem Werk von Ute und Tilman Michalski gefunden. Zwar gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Büchern, die in ähnlicher Manier, Sachwissen mit Basteltipps und Rezepten garnieren, überzeugend sind hier aber die differenzierte Kapiteleinteilung, anhand derer sich schon die Entwicklung innerhalb einer Jahreszeit ablesen lässt. Dass man beim Frühling von Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling spricht, war mir bisher nicht bekannt, obwohl mir Früh- und Hochsommer leicht von den Lippen kommen. Anschauliche und spezifisch ausgewählte Fotos mit klaren, kurz gehaltenen Texten unterlegt, vermitteln einen authentischen Eindruck der jeweiligen Jahreszeit. Die dazu ausgewählten Bastel- und Rezeptideen lassen sich fast alle ohne großen Aufwand realisieren, auch wenn man keinen Garten sein Eigen nennt. Ausgesprochen charmant ist z. B. eine schöne Alternative zum Kinderschminken. Mithilfe von Cremetupfen lassen sich Blütenblätter aufs Gesicht kleben, die je nach Anordnung und Art einen maskenartigen Eindruck hervorzaubern und ausgesprochen plastisch wirken.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 5 Jahre.

Michalski, Ute/Tilman: Entdecke die Jahreszeiten, Bastelideen, Rezepte und Tipps rund um die Natur, Fischer-Sauerländer 2015, €16,99.

 

 

 

Lumpi, Lampe, Luftballon – Das Dingebuch für Alltagsforscher

Lumpi, Lampe, LuftballonZugegeben, der Dackel auf dem Cover hat mich durchaus angesprochen, schließlich fällt einem das scherenschnittartig gestaltete Tier in leuchtendem Rot durchaus ins Auge. Ich könnte jetzt auch noch erzählen, dass ich in der Woche vor Ostern einen entzückenden, aber völlig überteuerten Dackelanhänger für den Schlüsselbund erworben habe und infolgedessen dieses possierliche Haustier überall erspähe. Ausschlaggebend das Buch näher zu betrachten, war aber tatsächlich der ungewöhnliche Titel, unter dem ich mir schlicht und ergreifend gar nichts vorstellen konnte. Jedes einzelne Wort der originellen Alliteration löste zwar eine nicht unbeträchtliche Flut an Assoziationen aus, war für mich aber nicht mit dem Untertitel in Einklang zu bringen. Was soll man denn unter einem „Dingebuch für Alltagsforscher“ verstehen? Nach der Lektüre kann ich diese Frage nun lässig mit: Dinge aus dem Alltag eben, beantworten. Das Schöne ist, es handelt sich wirklich um Dinge, bzw. Gebrauchsgegenstände oder Lebensmittel, die jeder von uns kennt. Die eine oder andere damit verbundene Geschichte wird den Großen von uns sicherlich bekannt sein. So z. B. die, wie der Teddybär zu seinem Namen kam. Aber hätten Sie gewusst, dass Gummihandschuhe ihre Existenz einem verliebten Arzt verdanken, dass Hot Dogs ihren Ursprung in Deutschland, genauer in Frankfurt haben, dass der Teebeutel eigentlich nur als Werbebeutel gedacht war und dass die allseits beliebte Taschenlampe aus einem beleuchteten Blumentopf entstanden ist? Gudrun Schury erzählt diese und viele andere Geschichten in kurzen, unterhaltsamen Texten, denen jeweils ein passendes Bild gegenübergestellt ist. Die Textseiten sind farbig unterlegt und unterstreichen den fidelen Charakter dieses kreuz und quer zu lesenden Buches.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre für Groß und Klein

Schury, Gudrun: Lumpi, Lampe, Luftballon – Das Dingebuch für Alltagsforscher, Klett Kinderbuch, 2016, € 13,95.

Helene & Alannah

Helene und AlannahHelene und ihre beste Freundin Alannah sind fast vier und gehen in die Kita in der Cerellestraße. Aus diesem Mikrokosmos entwickelt John Chambers zwölf heiter-nachdenkliche-unbedingt-der-kindlichen-Logik-folgende Geschichten, die gerade durch ihre Einfachheit in der Erzählstruktur und dem unbestechlichen Blick der Kinder amüsieren und überzeugen.

Die beiden Charakterköpfe Helene und Alannah gehen konsequent keinem Konflikt aus dem Weg, verlieren dabei aber nie ihre Freundschaft aus den Augen. Das Stimmungsspektrum der beiden Mädchen reicht von quietschvergnügt bis trotzig verstimmt und einfach sauer. Wenn Alannah ihrer, mangels Frühstück in schwerem Trotz gefangenen, Freundin eine Brücke im morgendlichen Stuhlkreis baut, indem sie ihr großzügig ihren Erdbeerjoghurt anbietet und „Helenepopenchen“ flötet, ist die Welt wieder in Ordnung und als Erwachsener möchte man wieder Kind sein. Zauberwörter wie diese entfalten ihre magische Wirkung leider nur sehr selten in der Welt der groß gewordenen Helenes und Alannahs. Umso mehr Freude macht es, beim Vorlesen gemeinsam mit den Kindern in die Welt der Kitakinder in der Cerellestraße einzutauchen und deren Alltag zu erleben. Und wie heilsam und befreiend kann es sein, wenn man beim Lesen und Gucken die Erfahrung macht, dass es neben schönen, witzigen und spannenden Dingen nicht nur die andere Seite gibt, sondern auch immer eine Lösung, die besonders gut gelingt, wenn man aufeinander zugeht.

Buchtipp von Minea Süss

Ab vier Jahre.

Chambers, John: Helene & Alannah, Geschichten aus dem Kindergarten, Hanser 2016, € 12,90.