Bienen

U_5915_1A_BIENEN.IND75Waren im Garten meiner Eltern bisher hauptsächlich Lavendel, Sommerflieder und der Gartenhibiskus ausgesprochen beliebte Orte für das sprichwörtlich bienenfleißige Flugvolk, das so emsig von Blüte zu Blüte schwebt, um Pollen und Nektar zu sammeln, hat dieses Jahr der neu errichtete Tomatenunterstand (stellen Sie sich einen Carport ohne Auto vor), den anderen Gewächsen deutlich den Rang abgelaufen. Geschützt vor Nässe von oben und mit stetiger Luftzirkulation dank der offenen Bauweise, haben sich die Tomaten zu stattlicher Höhe und Breite mit unzähligen Blütenrispen entwickelt, die nun von ganzen Heerscharen brummender und summender Bienen besucht werden. Neben der Geräuschkulisse ist vor allem das Agieren der Tiere untereinander ausgesprochen beeindruckend. Es scheint eine Höhere Ordnung zu geben, die verhindert, dass eine Konkurrenz um die Blüten entsteht. Weitaus ruhiger, ja geradezu gemütlich geht es zu, wenn man sich diesen wendigen Flugtieren über das berückend schön gestaltete Buch von Piotr Socha nährt. Auf großformatigen Doppelseiten taucht man in die Welt der Bienen ein und erfährt schon auf der ersten Bildtafel erstaunliches. Bereits zur Zeit der Dinosaurier, also vor ca. 100 Millionen Jahren, gab es Bienen. Die heutigen Insekten kann man dann auf der folgenden Bildtafel wie unter dem Mikroskop oder einer Lupe in vielfacher Vergrößerung genau bestaunen. Einzelne Körperteile wie z. B. Facettenauge, Kopf und Stachel sind nochmals gesondert als vergrößerte Detailansicht hervorgehoben. Im weiteren Verlauf wird die gesamte Kulturgeschichte dieses für den Fortbestand des ökologischen Gleichgewichts und der Artenvielfalt so wichtigen Insekts in kurzweiligen, mit gut verständlichem Text unterlegten Bildern, erzählt. Dabei zeugt der charmante Humor in der grafischen Umsetzung von einem unverstellten Blick und Begeisterung für das Thema.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Socha, Piotr: Bienen, Gerstenberg, 2016, € 24,95.

Mount Caravan – Die fantastische Fahrt im Nimmerzeit-Express

Mount CaravanWaisenkinder, die in dubiosen Institutionen ihr Dasein fristen, abgeschoben von den erwachsenen Verantwortlichen, gemobbt von Gleichaltrigen, gibt es in der Literatur zuhauf. Anna Ruhe ist es trotz des unüberschaubaren literarischen Erbes gelungen, eine Figur zu erschaffen, die sympathisch normal ist und deren Haupttalent in einer ausgeprägten Gabe zur Empathie liegt. Jakes andere Begabung, stets zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, in jedes, aber auch jedes Fettnäpfchen zu treten, wird erst mit einem erneuten Schulwechsel unterbrochen. Fortan ist alles anders. Schon der Name der Schule – Mount Caravan – deutet auf einen ungewöhnlichen Schulbetrieb hin. Schade nur, dass die Autorin den Ort der Handlung nach England verlegt hat. Wenn man sich eine Schule bestehend aus Wohnwagen mit ausklappbarer Sonnenterrasse auf dem Dach vorstellen kann, dann hier. Generationen von Kindern sind mit Peter Lustig groß geworden und die Tatsache, dass es bereits seit einigen Jahren einen Nachfolger dieser beliebten TV-Figur gibt, der genau wie sein Vorgänger in dem blau gestrichenen Bauwagen idyllisch im Grünen residiert, lässt ahnen, dass sich diese leicht anarchische Wohnform keinesfalls überholt hat. Die liebevolle und detailgenaue Beschreibung der Wohnwagen, in denen immer zwei Kinder untergebracht sind, löst beim Lesen nahezu zwangsläufig Fernweh aus. So pittoresk dieses außergewöhnliche Internat auch ist, eine Bedrohung der Schule lauert in Gestalt eines ehemaligen Schülers diffus hinter jeder Ecke und ob man der Lehrerin für Imaginistik trauen kann, ist auch nicht ganz klar. Dank seiner Freunde Ava und Finley erprobt Jake seinen Mut und kann am Ende stolz von sich behaupten das Herz der Schule, das sagenumwobene Skriptum Futurum nach bestem Wissen und Gewissen verteidigt zu haben.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Ruhe, Anna: Mount Caravan, Die fantastische Fahrt im Nimmerzeit-Express, Arena, 2016, € 12,99.

Jackaby

JackabySpätestens bei der Lektüre von William Ritters „Jackaby“, merkt der eingeschworene Harry Potter Fan, wie umfangreich sein Wissen über magische Wesen jeglicher Art ist. Hausgeister, Kobolde, Rotkappen und Banshees – um nur einen Bruchteil der paranormalen Erscheinungen zu nennen – sind uns so vertraut, wie die Nachbarn von nebenan. J. K. Rowling hat also wahrlich Aufklärungsarbeit geleistet und wer nun meint, William Ritters Figur des auf übernatürliche Phänomene spezialisierten Privatdetektivs sei ein müder Abklatsch eines im 19. Jahrhundert auf Geisterjagd gehenden Ermittlers, der in seiner Schmächtigkeit verdächtig an den Jungen mit der gezackten Narbe auf der Stirn erinnert oder einmal mehr den aus der Literatur ebenfalls hinlänglich bekannten Berufsstand des Geisterjägers  bemüht, kann sich beim Lesen vom Gegenteil überzeugen. Denn der wahre Held ist nicht der mit Expertenwissen ausgestattete Detektiv, sondern die junge Ausreißerin Abigail Rook. Ausgestattet mit einem wachen Verstand und dem Forschergeist ihres Vaters, schwebt Abigail ebenfalls eine Tätigkeit als Anthropologin bzw. Paläontologin vor. Die Vorstellung im Hörsaal zu sitzen, nimmt ihr schier die Luft zum Atmen und ehe man sich versieht, macht sich das behütet aufgewachsene Mädchen allein auf den Weg, um in Jungenkleidern an einer Ausgrabung teilzunehmen. Mit einer gesunden Portion Selbstironie, einem sicheren Gespür für Situationskomik und dem Mut, auch dann zu seinen Entscheidungen zu stehen, wenn es nicht nur unbequem, sondern auch gefährlich wird, nimmt einen schnell für diese in ihrer Zeit vollkommen unkonventionelle und gegen den Strom schwimmende Protagonistin ein. Denn wie viele weibliche Detektiv-Assistentinnen, die sich schon nach kurzer Zeit Detektivin nennen dürfen wird es 1892 schon gegeben haben?

Buchtipp von Minea Süss

Ab 12 Jahre.

Ritter, William: Jackaby, cbt, 2016, € 9,99.

Sally Jones – Mord ohne Leiche

U_5874_1A_SALLY_JONES_MORD_OHNE_LEICHE.IND11Allen, die in den Ferien daheim bleiben und mit dem Wetter hadern oder die noch auf der Suche nach einem dicken Abenteuerroman, einer unglaublichen Freundschaftsgeschichte, einem außergewöhnlichen Krimi, einem Buch für Musikliebhaber und Technikbegeisterte sind, sei, ebenso wie all jenen, die gut erzählte Geschichten lieben, Sally Jones ans Herz gelegt.

Jakob Wegelius hat mit Sally Jones eine Protagonistin erschaffen, mit der Lesende bei der Lektüre durch alle Höhen und Tiefen gehen, die das Leben über mehrere Jahre hinweg der unerschrockenen Erzählerin zumutet aber auch schenkt. Von der ersten bis zur letzten Seite – dazwischen liegen wahrhaftig stolze 616 -zieht einen die melancholisch bis heiter erzählte Geschichte in ihren Bann. Getippt auf einer alten Schreibmaschine, lässt Jakob Wegelius seine Figur jene Geschehnisse zu Papier bringen, die sie zu dem gemacht haben, was sie am Ende der Geschichte ist. Ein Menschenaffe, der sich von Anfang an über seine Grenzen im klaren ist, diese jedoch stetig neu auslotet und überschreitet, einzig das Ziel vor Augen den unschuldig inhaftierten Freund mit dem Beweis seiner Unschuld aus dem Gefängnis zu befreien und das unverbrüchliche Band der Freundschaft zu erhalten. Allen Handlungen dieses mit einer seinesgleichen suchenden Würde ausgestatteten Wesens, wohnt eine Aufrichtigkeit inne,  die mehr als einmal Gänsehaut verursacht. Spannende, gruselige, skurrile, anrührende, traurige und schöne Momente liegen in dem dicht erzählten Roman nah beieinander. Die Suche nach dem Mörder bzw. der Leiche, führt in die entlegensten Winkel der Erde und gehört zu dem besten Seemannsgarn, das ich kenne.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Wegelius, Jakob: Sally Jones – Mord ohne Leiche, Gerstenberg, 2016, € 19,95.

Mein Riesenbilderbuch – Sachen suchen – Alle meine Tiere

Riesenbilderbuch

Eine Reise durch unterschiedliche Klimazonen und der damit verbundenen Flora und Fauna lässt sich in Bonn problemlos an einem Tag realisieren. Das Museum König, der Botanische Garten oder der in der weiteren Nachbarschaft gelegene Kölner Zoo laden gerade in den Ferien dazu ein, die Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Haustür zu entdecken. Damit man sich an Ferienruhetagen, die man Zuhause verbringt nicht langweilt, kann man mithilfe des überdimensionierten Pappbilderbuchs von Amrei Fechner zu einer Safari der besonderen Art aufbrechen. Gestartet wird im Nahbereich. Sowohl das Titelbild, als auch die erste Schautafel entführen uns auf einen Bauernhof. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Kühe, Pferde und Schafe sind auf der Weide, der Hahn kräht auf dem Misthaufen, auf dem Dach klappert der Storch und auch die Schwalben in der Luft fehlen nicht. Um auch die kleinen Lebewesen wie Insekten oder den unterirdisch lebenden Maulwurf und die possierlichen Feldmäuse sichtbar zu machen, ist dieser Bildausschnitt perspektivisch herangezoomt.

Vom europäischen Bauernhof geht es dann geradewegs in die weite Steppen- und Savannenlandschaft des afrikanischen Kontinents. Einmal umblättern und schon stellt sich den aufmerksam Schauenden die Frage, wo sich  Graukopfliest, Gnu und all die anderen Tiere versteckt haben. Am linken Bildrand sind die jeweiligen Tiere nochmals gesondert mit Namen aufgeführt und bieten somit nicht nur einen Suchanreiz, sondern auch eine nette Hilfestellung für all jene, die das eben erwähnte Vogeltier fälschlicherweise als Eisvogel verorten.

Nach Stationen „Am Nordmeer“, „Im Urwald“, „Am Wildbach im hohen Norden“ und einem Abstecher in „Die Unterwasserwelt“ eines Korallenriffs, landen wir wieder in heimischen Gefilden. Die Aufregende und abwechslungsreiche Rundreise schließt mit einer Nachtwanderung durch den Wald ab. Langweilig? Keinesfalls. Getarnt vom fahlen Mondlicht, sind zahlreiche Tiere unterwegs und warten darauf entdeckt zu werden.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 2 Jahre.

Fechner, Amrei: Mein Riesenbilderbuch, Sachen suche, Alle meine Tiere, Ravensburger, 2016, € 19,99.

Herr Nashorn macht Urlaub

0704_Nashorn_Cover_Z.inddSpätestens seit „Gute Nacht, Gorilla“, „Das große Gähnen“, „Erdmännchen Gustav“ oder „Du schnarchst Schubert“, wissen eifrige Bilderbuchbetrachter, dass Zootiere sehr unternehmungslustig, kreativ und konsequent in ihren Äußerungen sein können. Raphaël Baud und Aurélie Neyret haben mit Herrn Nashorn eine weitere sympathische Figur geschaffen, die nicht nur in einem Zoo lebt, nein Herr Nashorn arbeitet – wie übrigens alle anderen Tiere auch – im Zoo. Geht man also Tagein und Tagaus einer geregelten Tätigkeit nach, hat man selbstverständlich auch Anspruch auf Urlaub, um sich zu erholen. Herr Nashorn bucht Afrika. Nach sorgfältigem Kofferpacken und einer Verabschiedungsrunde ist es endlich soweit. Die Reise kann beginnen.

Die bereits auf dem Titelbild vermittelte Weite afrikanischer Savannenlandschaften wird im Buch selber durch Doppelseiten, die ein Minimum an Text aufweisen und schließlich nur noch die Eindrücke vollkommenen Einsseins mit sich und der Landschaft einfangen, und auf jeglichen Begleittext verzichten noch verstärkt. Eindrucksvoll, wie Licht und Schatten den Blick in unbekannte Welten gleiten lassen oder dazu einladen, sich neben Herrn Nashorn ans Lagerfeuer zu setzten und den Sternenhimmel zu genießen. Bilder mit solch einer Weite und Tiefe regen zum gemeinsamen Schauen, Schweigen, Staunen und Erzählen ein. Bevor es nach zwei Wochen gut erholt zurückgeht, muss Herr Nashorn allerdings noch etwas erledigen. Dem besten Freund hat er ein Souvenir versprochen und das besorgt er nun. Der Träne im Knopfloch, die sich bei der Abreise von Daheim eingeschlichen hatte, folgt bei der Rückkehr ein ausgelassenes Fest der Wiedersehensfreude. Und an dem Mitbringsel haben alle ihren Spass. Wohl dem, der seine Wünsche mit Sorgfalt wählt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Baud, R. , Neyret, A.: Herr Nashorn macht Urlaub, Atlantis, 2016, € 14,95.

 

Der Krokodildieb

KrokodildiebManchmal braucht es Zeit, bis man versteht, wo die Begeisterung für etwas, in diesem Fall ein Buch, ihren Ursprung hat. Anfang des Jahres ausgeliefert, fand der „Krokodildieb “ schnell den Weg in meine Tasche. Noch schneller war das Buch ausgelesen. Guten Willens, den Titel vorzustellen, kreisten die Gedanken nun Monate lang durch das Nirwana diffuser Erinnerungen. Unabhängig von der spannenden und originellen, an vielen Stellen auch witzigen Geschichte, und der tragikomischen, über sich selbst hinauswachsenden Hauptfigur, Odd, hatte die Geschichte auch etwas mit mir zu tun. In den letzten Tagen war es dann endlich soweit. Der Knoten platzte und plötzlich wusste ich, dass ich im Referendariat einem beinahe Waschbärklau beigewohnt habe. Eigentlich gehören solche Vorkommnisse ja ins Reich der Wanderlegenden. Eigentlich. Tatort war der Greifvogelpark in Saarburg, den wir im Rahmen einer Klassenfahrt besucht haben. Auf dem Weg zu den Vögeln geht man an diversen Gehegen mit Wildtieren vorbei, die lediglich mit einem normalen Holzzaun versehen sind. Offensichtlich verleiten davor befindliche Baumstümpfe Sechstklässler dazu, diese als Kletterhilfe zu benutzen, um eines der willenlos am Zaun sitzenden Tiere habhaft zu werden. Ich kam genau in dem Augenblick, wo der possierliche Waschbär im Rucksack verschwinden sollte. Anders als Krokodildieb Odd, saß den beiden Knaben deutlich der Schalk und pure Übermut im Nacken. Odd hingegen beschließt nach dem Schulausflug ins Aquarium einen kleinen Kaiman zu entwenden, um gedanklich von dem ewigen „Odd-Birnenkompott“ (S. 10) seiner Klassenkameraden wegzukommen. Beeindruckt von dem lässigen Tierpfleger, will er sich beweisen, dass er sich traut, das Reptil zu entführen und zu versorgen. Schnell muss Odd jedoch erkennen, dass ein Kinderzimmer nicht der geeignete Lebensraum für Kaimane ist. Und mit dieser Erkenntnis fängt die Geschichte eigentlich erst richtig an. Denn wenn jemand seinen Fehler erkennt und dann Verantwortung dafür übernimmt, ist das ein großer Schritt, der auch mit etwas Großem belohnt werden sollte. Und was kann es für einen kleinen Jungen größeres geben, als die Freundschaft zu einem Mann, der mit leichter Hand Würgeschlangen hegt und pflegt?

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Bjørnstad, T. , Grav, Ch. : Der Krokodildieb, Beltz & Gelberg, 2016, € 12,95.

 

Nele langweilt sich

9783864292927(1)Nele leidet. Sie leidet an Langeweile. Alle Vorschläge ihrer Mutter lehnt sie strikt ab. Ist schließlich alles langweilig. Ganz schön anstrengend und unbefriedigend, wenn man nichts zu hat. Nele kostet das zähe, wie Kaugummi sich ziehende und klebende Gefühl voll aus. Bevor sie aber ihrer Mutter beim Aufräumen hilft, geht sie doch lieber zum Bäcker, um für den Besuch Kuchen zu kaufen. Ihre kleine Schwester nimmt sie auch mit. Die schläft schließlich friedlich im Kinderwagen. Kaum auf der Straße angekommen, trifft Nele auch schon eine Freundin ihrer Mutter und kann sich in der Rolle der großen Schwester sonnen. Hört man doch gerne, wenn man dafür gelobt wird, auf den Winzling aufzupassen. Kurz darauf begegnet sie Amelie, die leider keine Zeit zum Spielen hat, aber auch zum Bäcker muss. Langsam aber sicher kommen die Dinge in Bewegung. Der bisher so unspektakulär dahin plätschernde Tag, entpuppt sich ausgerechnet an der Theke in der Bäckerei als ein wahrer Wirbelsturm sich überschlagender Ereignisse. Alles ist plötzlich so spannend, dass Nele sofort nach Hause muss, um von ihren Erlebnissen zu erzählen. Geschickt baut Anne Maar einen Spannungsbogen, der sich aus der kindlichen Wahrnehmung und Gefühlswelt der sympathischen Protagonistin ergibt. Die Schrecksequenz am Ende ergibt sich somit folgerichtig aus dem Angefülltsein des Erlebten und übertrifft dieses sogar noch. Aber wie heißt es doch so schön: Ende gut, alles gut.

Buchtipp von Minea Süss

Selbstlesealter 7 Jahre.

Maar, Anne: Nele langweilt sich, Tulipan ABC, 2016, € 8,95.

Schulausflug mit Oma

Schulausflug mit OmaEltern können unerträglich sein. Insbesondere dann, wenn sie sich in der Schule engagieren. Bruder Nummer eins z. B. ist in den wonnevollen Genuss einer Klassenfahrt gekommen, bei der unsere Mutter als Begleitperson mitgefahren ist. Fehlendes Lehrpersonal kannte man auch schon in den 80 er Jahren. Familie bietet im Notfall aber noch ganz andere Kapazitäten. Fabian aus der 4a der Erich-Kästner-Grundschule, kann da auch ein Lied von singen. Gestrichene Zuschüsse plus zwei schwangere Lehrerinnen bringen die traditionelle Klassenfahrt der Jahrgangsstufe 4 in ernste Gefahr. Die Lösung fällt gleichermaßen pragmatisch wie originell aus. Um die Klassenfahrt zu retten, fahren von vier Kindern die Großeltern mit. Die Senioren haben allerdings von der Unterbringung sehr genaue Vorstellungen. Schließlich muss man bei so einem Unterfangen auch an sich denken und mit den Kräften haushalten. Insofern ist es verständlich, dass der Aufenthalt  in der Jugendherberge storniert und für drei Tage ein Kurhotel gebucht wird. Mit Augenzwinkern und viel Sympathie für Alt und Jung erzählt Sabine Zett von dem turbulenten Aufeinandertreffen verschiedener Generationen mit all ihren Vorstellungen den Tag zu gestalten und den damit zusammenhängenden Bedürfnissen. Am Ende sind die drei Tage natürlich viel zu schnell vorbei und trotz mancher Hürden, die gemeistert werden mussten – wer hätte z. B. mit einem blinden Passagier im Gepäck der Kinder gerechnet – sind sich alle einig, dass Seniorenbingo mit Big Fritz ein tolles Spiel ist.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Zett, Sabine: Schulausflug mit Oma, cbj, 2016, € 10,99.

Käpt’n Jack und die Piraten

Jack und die PiratenWas gibt es schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein mit der Familie einen Tag am Strand zu verbringen? Nichts, soviel steht für die drei Jungs Jack, Kaspar und Paulchen schnell fest. Kaum am Ort ihrer Träume angekommen, beginnen sie auch schon mit Feuereifer aus Sand, Kleidungsstücken und dem, was sich sonst noch in der Ausstattung für einen Strandtag findet, ein Schiff zu bauen. Sobald das schneidige Gefährt fertig ist, sticht Käpt‘n Jack mit seinen Mannen in See. Piraten suchen schließlich nicht nur Abenteuer, sondern auch Gold und andere Schätze. Das die drei verwegenen Jungpiraten in einen Sturm geraten und auf echte Piraten treffen, hätte sich natürlich keiner träumen lassen.

Nicht nur Sonne und Regen wechseln in dem von Helen Oxenbury großzügig gestalteten Bilderbuch innerhalb des Tagesverlaufs, sondern auch Spannung und Entspannung. Die von Peter Bently in Reimform erzählte Geschichte, stellt die aus dem spontanen Spiel entstehende Handlung in den Mittelpunkt und folgt dem der kindlichen Phantasie entspringenden roten Faden mitten hinein in ein Abenteuer auf hoher See. Da ist es auch nur konsequent, wenn sich die Eltern als Piraten entpuppen und am Ende für das leibliche Wohl der drei Abenteurer sorgen. „Doch manchmal gibt es Wunder, wie jeder von uns weiß – die Piraten sind freundlich und jeder kriegt ein Eis!“

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Oxenbury, Helen, Bently, Peter: Käpt‘n Jack und die Piraten, Aladin, 2016, € 14,95.