Sally Jones – Mord ohne Leiche

U_5874_1A_SALLY_JONES_MORD_OHNE_LEICHE.IND11Allen, die in den Ferien daheim bleiben und mit dem Wetter hadern oder die noch auf der Suche nach einem dicken Abenteuerroman, einer unglaublichen Freundschaftsgeschichte, einem außergewöhnlichen Krimi, einem Buch für Musikliebhaber und Technikbegeisterte sind, sei, ebenso wie all jenen, die gut erzählte Geschichten lieben, Sally Jones ans Herz gelegt.

Jakob Wegelius hat mit Sally Jones eine Protagonistin erschaffen, mit der Lesende bei der Lektüre durch alle Höhen und Tiefen gehen, die das Leben über mehrere Jahre hinweg der unerschrockenen Erzählerin zumutet aber auch schenkt. Von der ersten bis zur letzten Seite – dazwischen liegen wahrhaftig stolze 616 -zieht einen die melancholisch bis heiter erzählte Geschichte in ihren Bann. Getippt auf einer alten Schreibmaschine, lässt Jakob Wegelius seine Figur jene Geschehnisse zu Papier bringen, die sie zu dem gemacht haben, was sie am Ende der Geschichte ist. Ein Menschenaffe, der sich von Anfang an über seine Grenzen im klaren ist, diese jedoch stetig neu auslotet und überschreitet, einzig das Ziel vor Augen den unschuldig inhaftierten Freund mit dem Beweis seiner Unschuld aus dem Gefängnis zu befreien und das unverbrüchliche Band der Freundschaft zu erhalten. Allen Handlungen dieses mit einer seinesgleichen suchenden Würde ausgestatteten Wesens, wohnt eine Aufrichtigkeit inne,  die mehr als einmal Gänsehaut verursacht. Spannende, gruselige, skurrile, anrührende, traurige und schöne Momente liegen in dem dicht erzählten Roman nah beieinander. Die Suche nach dem Mörder bzw. der Leiche, führt in die entlegensten Winkel der Erde und gehört zu dem besten Seemannsgarn, dass ich kenne.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Wegelius, Jakob: Sally Jones – Mord ohne Leiche, Gerstenberg, 2016, € 19,95.

Mein Riesenbilderbuch – Sachen suchen – Alle meine Tiere

Riesenbilderbuch

Eine Reise durch unterschiedliche Klimazonen und der damit verbundenen Flora und Fauna lässt sich in Bonn problemlos an einem Tag realisieren. Das Museum König, der Botanische Garten oder der in der weiteren Nachbarschaft gelegene Kölner Zoo laden gerade in den Ferien dazu ein, die Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Haustür zu entdecken. Damit man sich an Ferienruhetagen, die man Zuhause verbringt nicht langweilt, kann man mithilfe des überdimensionierten Pappbilderbuchs von Amrei Fechner zu einer Safari der besonderen Art aufbrechen. Gestartet wird im Nahbereich. Sowohl das Titelbild, als auch die erste Schautafel entführen uns auf einen Bauernhof. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Kühe, Pferde und Schafe sind auf der Weide, der Hahn kräht auf dem Misthaufen, auf dem Dach klappert der Storch und auch die Schwalben in der Luft fehlen nicht. Um auch die kleinen Lebewesen wie Insekten oder den unterirdisch lebenden Maulwurf und die possierlichen Feldmäuse sichtbar zu machen, ist dieser Bildausschnitt perspektivisch herangezoomt.

Vom europäischen Bauernhof geht es dann geradewegs in die weite Steppen- und Savannenlandschaft des afrikanischen Kontinents. Einmal umblättern und schon stellt sich den aufmerksam Schauenden die Frage, wo sich  Graukopfliest, Gnu und all die anderen Tiere versteckt haben. Am linken Bildrand sind die jeweiligen Tiere nochmals gesondert mit Namen aufgeführt und bieten somit nicht nur einen Suchanreiz, sondern auch eine nette Hilfestellung für all jene, die das eben erwähnte Vogeltier fälschlicherweise als Eisvogel verorten.

Nach Stationen „Am Nordmeer“, „Im Urwald“, „Am Wildbach im hohen Norden“ und einem Abstecher in „Die Unterwasserwelt“ eines Korallenriffs, landen wir wieder in heimischen Gefilden. Die Aufregende und abwechslungsreiche Rundreise schließt mit einer Nachtwanderung durch den Wald ab. Langweilig? Keinesfalls. Getarnt vom fahlen Mondlicht, sind zahlreiche Tiere unterwegs und warten darauf entdeckt zu werden.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 2 Jahre.

Fechner, Amrei: Mein Riesenbilderbuch, Sachen suche, Alle meine Tiere, Ravensburger, 2016, € 19,99.

Herr Nashorn macht Urlaub

0704_Nashorn_Cover_Z.inddSpätestens seit „Gute Nacht, Gorilla“, „Das große Gähnen“, „Erdmännchen Gustav“ oder „Du schnarchst Schubert“, wissen eifrige Bilderbuchbetrachter, dass Zootiere sehr unternehmungslustig, kreativ und konsequent in ihren Äußerungen sein können. Raphaël Baud und Aurélie Neyret haben mit Herrn Nashorn eine weitere sympathische Figur geschaffen, die nicht nur in einem Zoo lebt, nein Herr Nashorn arbeitet – wie übrigens alle anderen Tiere auch – im Zoo. Geht man also Tagein und Tagaus einer geregelten Tätigkeit nach, hat man selbstverständlich auch Anspruch auf Urlaub, um sich zu erholen. Herr Nashorn bucht Afrika. Nach sorgfältigem Kofferpacken und einer Verabschiedungsrunde ist es endlich soweit. Die Reise kann beginnen.

Die bereits auf dem Titelbild vermittelte Weite afrikanischer Savannenlandschaften wird im Buch selber durch Doppelseiten, die ein Minimum an Text aufweisen und schließlich nur noch die Eindrücke vollkommenen Einsseins mit sich und der Landschaft einfangen, und auf jeglichen Begleittext verzichten noch verstärkt. Eindrucksvoll, wie Licht und Schatten den Blick in unbekannte Welten gleiten lassen oder dazu einladen, sich neben Herrn Nashorn ans Lagerfeuer zu setzten und den Sternenhimmel zu genießen. Bilder mit solch einer Weite und Tiefe regen zum gemeinsamen Schauen, Schweigen, Staunen und Erzählen ein. Bevor es nach zwei Wochen gut erholt zurückgeht, muss Herr Nashorn allerdings noch etwas erledigen. Dem besten Freund hat er ein Souvenir versprochen und das besorgt er nun. Der Träne im Knopfloch, die sich bei der Abreise von Daheim eingeschlichen hatte, folgt bei der Rückkehr ein ausgelassenes Fest der Wiedersehensfreude. Und an dem Mitbringsel haben alle ihren Spass. Wohl dem, der seine Wünsche mit Sorgfalt wählt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Baud, R. , Neyret, A.: Herr Nashorn macht Urlaub, Atlantis, 2016, € 14,95.

 

Der Krokodildieb

KrokodildiebManchmal braucht es Zeit, bis man versteht, wo die Begeisterung für etwas, in diesem Fall ein Buch, ihren Ursprung hat. Anfang des Jahres ausgeliefert, fand der „Krokodildieb “ schnell den Weg in meine Tasche. Noch schneller war das Buch ausgelesen. Guten Willens, den Titel vorzustellen, kreisten die Gedanken nun Monate lang durch das Nirwana diffuser Erinnerungen. Unabhängig von der spannenden und originellen, an vielen Stellen auch witzigen Geschichte, und der tragikomischen, über sich selbst hinauswachsenden Hauptfigur, Odd, hatte die Geschichte auch etwas mit mir zu tun. In den letzten Tagen war es dann endlich soweit. Der Knoten platzte und plötzlich wusste ich, dass ich im Referendariat einem beinahe Waschbärklau beigewohnt habe. Eigentlich gehören solche Vorkommnisse ja ins Reich der Wanderlegenden. Eigentlich. Tatort war der Greifvogelpark in Saarburg, den wir im Rahmen einer Klassenfahrt besucht haben. Auf dem Weg zu den Vögeln geht man an diversen Gehegen mit Wildtieren vorbei, die lediglich mit einem normalen Holzzaun versehen sind. Offensichtlich verleiten davor befindliche Baumstümpfe Sechstklässler dazu, diese als Kletterhilfe zu benutzen, um eines der willenlos am Zaun sitzenden Tiere habhaft zu werden. Ich kam genau in dem Augenblick, wo der possierliche Waschbär im Rucksack verschwinden sollte. Anders als Krokodildieb Odd, saß den beiden Knaben deutlich der Schalk und pure Übermut im Nacken. Odd hingegen beschließt nach dem Schulausflug ins Aquarium einen kleinen Kaiman zu entwenden, um gedanklich von dem ewigen „Odd-Birnenkompott“ (S. 10) seiner Klassenkameraden wegzukommen. Beeindruckt von dem lässigen Tierpfleger, will er sich beweisen, dass er sich traut, das Reptil zu entführen und zu versorgen. Schnell muss Odd jedoch erkennen, dass ein Kinderzimmer nicht der geeignete Lebensraum für Kaimane ist. Und mit dieser Erkenntnis fängt die Geschichte eigentlich erst richtig an. Denn wenn jemand seinen Fehler erkennt und dann Verantwortung dafür übernimmt, ist das ein großer Schritt, der auch mit etwas Großem belohnt werden sollte. Und was kann es für einen kleinen Jungen größeres geben, als die Freundschaft zu einem Mann, der mit leichter Hand Würgeschlangen hegt und pflegt?

Buchtipp von Minea Süss

Ab 9 Jahre.

Bjørnstad, T. , Grav, Ch. : Der Krokodildieb, Beltz & Gelberg, 2016, € 12,95.

 

Nele langweilt sich

9783864292927(1)Nele leidet. Sie leidet an Langeweile. Alle Vorschläge ihrer Mutter lehnt sie strikt ab. Ist schließlich alles langweilig. Ganz schön anstrengend und unbefriedigend, wenn man nichts zu hat. Nele kostet das zähe, wie Kaugummi sich ziehende und klebende Gefühl voll aus. Bevor sie aber ihrer Mutter beim Aufräumen hilft, geht sie doch lieber zum Bäcker, um für den Besuch Kuchen zu kaufen. Ihre kleine Schwester nimmt sie auch mit. Die schläft schließlich friedlich im Kinderwagen. Kaum auf der Straße angekommen, trifft Nele auch schon eine Freundin ihrer Mutter und kann sich in der Rolle der großen Schwester sonnen. Hört man doch gerne, wenn man dafür gelobt wird, auf den Winzling aufzupassen. Kurz darauf begegnet sie Amelie, die leider keine Zeit zum Spielen hat, aber auch zum Bäcker muss. Langsam aber sicher kommen die Dinge in Bewegung. Der bisher so unspektakulär dahin plätschernde Tag, entpuppt sich ausgerechnet an der Theke in der Bäckerei als ein wahrer Wirbelsturm sich überschlagender Ereignisse. Alles ist plötzlich so spannend, dass Nele sofort nach Hause muss, um von ihren Erlebnissen zu erzählen. Geschickt baut Anne Maar einen Spannungsbogen, der sich aus der kindlichen Wahrnehmung und Gefühlswelt der sympathischen Protagonistin ergibt. Die Schrecksequenz am Ende ergibt sich somit folgerichtig aus dem Angefülltsein des Erlebten und übertrifft dieses sogar noch. Aber wie heißt es doch so schön: Ende gut, alles gut.

Buchtipp von Minea Süss

Selbstlesealter 7 Jahre.

Maar, Anne: Nele langweilt sich, Tulipan ABC, 2016, € 8,95.

Schulausflug mit Oma

Schulausflug mit OmaEltern können unerträglich sein. Insbesondere dann, wenn sie sich in der Schule engagieren. Bruder Nummer eins z. B. ist in den wonnevollen Genuss einer Klassenfahrt gekommen, bei der unsere Mutter als Begleitperson mitgefahren ist. Fehlendes Lehrpersonal kannte man auch schon in den 80 er Jahren. Familie bietet im Notfall aber noch ganz andere Kapazitäten. Fabian aus der 4a der Erich-Kästner-Grundschule, kann da auch ein Lied von singen. Gestrichene Zuschüsse plus zwei schwangere Lehrerinnen bringen die traditionelle Klassenfahrt der Jahrgangsstufe 4 in ernste Gefahr. Die Lösung fällt gleichermaßen pragmatisch wie originell aus. Um die Klassenfahrt zu retten, fahren von vier Kindern die Großeltern mit. Die Senioren haben allerdings von der Unterbringung sehr genaue Vorstellungen. Schließlich muss man bei so einem Unterfangen auch an sich denken und mit den Kräften haushalten. Insofern ist es verständlich, dass der Aufenthalt  in der Jugendherberge storniert und für drei Tage ein Kurhotel gebucht wird. Mit Augenzwinkern und viel Sympathie für Alt und Jung erzählt Sabine Zett von dem turbulenten Aufeinandertreffen verschiedener Generationen mit all ihren Vorstellungen den Tag zu gestalten und den damit zusammenhängenden Bedürfnissen. Am Ende sind die drei Tage natürlich viel zu schnell vorbei und trotz mancher Hürden, die gemeistert werden mussten – wer hätte z. B. mit einem blinden Passagier im Gepäck der Kinder gerechnet – sind sich alle einig, dass Seniorenbingo mit Big Fritz ein tolles Spiel ist.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 8 Jahre.

Zett, Sabine: Schulausflug mit Oma, cbj, 2016, € 10,99.

Käpt’n Jack und die Piraten

Jack und die PiratenWas gibt es schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein mit der Familie einen Tag am Strand zu verbringen? Nichts, soviel steht für die drei Jungs Jack, Kaspar und Paulchen schnell fest. Kaum am Ort ihrer Träume angekommen, beginnen sie auch schon mit Feuereifer aus Sand, Kleidungsstücken und dem, was sich sonst noch in der Ausstattung für einen Strandtag findet, ein Schiff zu bauen. Sobald das schneidige Gefährt fertig ist, sticht Käpt‘n Jack mit seinen Mannen in See. Piraten suchen schließlich nicht nur Abenteuer, sondern auch Gold und andere Schätze. Das die drei verwegenen Jungpiraten in einen Sturm geraten und auf echte Piraten treffen, hätte sich natürlich keiner träumen lassen.

Nicht nur Sonne und Regen wechseln in dem von Helen Oxenbury großzügig gestalteten Bilderbuch innerhalb des Tagesverlaufs, sondern auch Spannung und Entspannung. Die von Peter Bently in Reimform erzählte Geschichte, stellt die aus dem spontanen Spiel entstehende Handlung in den Mittelpunkt und folgt dem der kindlichen Phantasie entspringenden roten Faden mitten hinein in ein Abenteuer auf hoher See. Da ist es auch nur konsequent, wenn sich die Eltern als Piraten entpuppen und am Ende für das leibliche Wohl der drei Abenteurer sorgen. „Doch manchmal gibt es Wunder, wie jeder von uns weiß – die Piraten sind freundlich und jeder kriegt ein Eis!“

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Oxenbury, Helen, Bently, Peter: Käpt‘n Jack und die Piraten, Aladin, 2016, € 14,95.

Mein Mathe Desaster

mein_mathe-desaster_oder_der_lange_weg_zum_ersten_kuss-9783423761406Auch oder gerade weil der Schulalltag heute von Smartphone und Co stark beeinflusst ist, erinnert eine Geschichte, in der die wortgewandte und um Ausreden selten verlegene Protagonistin zwar Redakteurin des offiziellen Schulblogs ist, aber ansonsten streng analog Dinge macht, die auch mich in fernen Schulzeiten schwelgen lassen, an einen fluffigen Muffin, bzw. Cupcake, wenn man denn Wert auf das zart schmelzende Topping obendrauf legt.

An der ersten Verliebtheit mit allen dazugehörenden Irrungen und Wirrungen aus der Sicht der quirligen Lilly und damit der gesamten Klasse 7 B des Schiller Gymnasiums, inklusive Theater-AG, restlicher Jahrgangsstufe und den berühmten „Großen“ – nicht zu vergessen die stets am Wohle der Schüler interessierten Lehrer- aus unmittelbarer Nähe beiwohnen zu dürfen, ist    Stoff für einen witzigen Lesenachmittag. Lilly, die in ihrer charmant direkten Art kein Blatt vor den Mund nimmt, kennt die Spielregeln und die Nettikette für ihre monatlichen Blogbeiträge sehr genau. Dies hindert sie ,im Sinne eines gewissen investigativen Anspruchs ihrer Berichterstattung, aber keinesfalls daran, die Lesenden mit den brandaktuellen und wirklich wichtigen Neuigkeiten aus den altehrwürdigen Mauern des Schiller-Gymnasiums zu versorgen. Ohne diesen Wahrheitsdrang müssten wir z. B. auf die Begegnung mit dem herrlich skurrilen Kenneth White, seines Zeichens native Speaker aus England und verantwortlich für einen authentischen Sprachunterricht, verzichten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 11 Jahre.

Rylance, Ulrike: Mein Mathe Desaster oder der lange Weg zum ersten Kuss, dtv junior, 2016, € 12,95.

 

In einer Vollmondnacht in meinem Garten

csm_9783407820952_2b0e0a6137Ob die Aktivitäten im Garten meiner Eltern bei Vollmond stattfanden, ist nicht überliefert. Nach erfolgreich beendeter Pubertät verkündete Bruder Nr. 2 mit verklärtem Blick, die Meetings und Freiluftnächte im Vorgarten hinter dem lauschig mit Efeu bewachsenen Zaun seien doch toll gewesen. Da weder die Nachbarschaft, noch wir als Familie von diesen netten Gewohnheiten Kenntnis hatten, ist anzunehmen, dass die Herren sich äußerst gesittet verhalten haben. Vielleicht waren Sie aber auch schlicht sprachlos, weil sie nicht alleine waren. Glaubt man Severin Millet, kann man in Vollmondnächten ganze Gespenstervölkerwanderungen inklusive exotischer Tiere bewundern. Das Stelldichein der Gespenster ist kunterbunt und zeigt die ganze Vielfalt dieser weiß gewandeten, leichtfüßig durch die Luft schwebenden Gesellen. Das Treiben der munteren Schar ist durchaus amüsant und wird von Seite zu Seite wuseliger bzw. wimmeliger. Von Grusel oder Gänsehaut kann keine Rede sein. Fleißig wie die Bienchen werden mit vereinten Kräften zwei Häuser gebaut und auch sofort bezogen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Zwei Häuser in einer Nacht, Einweihungsparty inklusive. Leider findet das geschäftige Treiben mit der aufziehenden Morgendämmerung ein jähes Ende. So schnell, wie die ungewöhnliche Baustelle in einem nächtlichen Garten entstanden ist, befindet sich alles wieder im Urzustand, sind Eule und Maulwurf wieder unter sich und auch die Besucher aus fernen Welten, haben sich verabschiedet. Die Anfahrtswege sind mindestens so beeindruckend wie die Geschwindigkeit, in der hier Häuser fertig gestellt werden. Elefant und Pavian kommen von der anderen Seite der Erdkugel und eine Gespensterdelegation ist gar aus einer anderen Galaxie  angereist. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man das Ganze nur geträumt hat, empfiehlt sich das kurzweilige Buch sofort nochmal anzuschauen und sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Millet,Séverin: In einer Vollmondnacht in meinem Garten, Beltz & Gelberg, 2016, € 13,95.

 

Smart oder Die Welt mit anderen Augen

smart_oder_die_welt_mit_anderen_augen-9783423761345Kieran hat viele besondere Begabungen. Er kann phantastisch Zeichnen, er beobachtet seine Umgebung aufmerksam und wählt die Leute, mit denen er Kontakt hat sorgfältig aus und ist ihnen ein treuer Freund. Im Gegensatz zu anderen Menschen lässt er sich dabei von seinem Herzen leiten oder andersherum: er blickt den Menschen in die Seele und erkennt, ob sie es gut mit ihm meinen oder nicht, bzw. ob sie ehrlich und aufrichtig sind oder nur so tun. Ohne Vorbehalte schenkt Kieran dann seine Freundschaft Menschen, die wie er selber vom Schicksal gebeutelt und ohne eigentlichen Halt im Leben sind. Doch genau das entsteht zwischen dem manchmal verzweifelten aber letztlich doch stets nach vorne blickenden Jungen, der fest an eine gute Zukunft und an eine berufliche Karriere bei einer namenhaften Zeitung glaubt, und der obdachlosen Jean. Durch Jeans Unterstützung gelingt es Kieran seine Oma ausfindig zu machen und die durch den neuen Lebenspartner der Mutter zerstörte Familie ein Stück weit wieder zu vervollständigen und in die Normalität zurück zu führen. Die Freundschaft zu dem gleichaltrigen Karwana lenkt ihn davon ab, dass er häufig von anderen Jugendlichen gegängelt und verspottet wird. Zu guter Letzt ist da auch noch seine Schulbegleiterin, Miss Crane. Miss Crane erklärt Kieran die Welt. Sie ist sein persönlicher Lotse im Nebel des Alltags und in allen zwischenmenschlichen Belangen. Dank ihrer Hilfe und der unverbrüchlichen Liebe seiner Mutter gelingt es dem Jungen Herz und Augen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu öffnen und mit Ausdauer und Beharrlichkeit für Gerechtigkeit zu kämpfen. Schließlich geht es um nicht weniger als einen Mord. Einen Mord an Jeans Freund. Ein Obdachloser unter vielen, der tot aufgefunden und dessen Schicksal schnell zu den Akten gelegt wird.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 13 Jahre.

Slater, Kim: Smart oder Die Welt mit anderen Augen, dtv, 2016, € 14,95.