Tolle Wolle

9783831030804Handarbeits- und Bastelbücher lösen bei mir persönlich allein aufgrund der schönen Bildgestaltung regelmäßig Begeisterungsstürme aus. Zudem drängt sich mir jedes Jahr im Herbst das Bedürfnis etwas aus Wolle herzustellen auf. Der normale Ablauf sieht dann so aus, dass ich einen Schal stricke und das hübsche, vor geraumer Zeit angefangene, Jäckchen zwar weiter bearbeite, aber nicht zur Vollendung bringe. Bis auf die Hälfte eines Seitenteils ist das Werk nun gediehen und mein Optimismus das gute Stück im Weihnachtsgeschäft zu tragen ist enorm gestiegen. Anstelle des traditionellen Schals werde ich mich dieses Jahr aber zwischendurch einem der witzigen und gut erklärten Einsteigerprojekte aus der Strickschule für Kinder von Dorling Kindersley widmen. Über eines der lustigen Tiere, äußerst originell ist die Fledermaus, freuen sich Nichte und Neffe bestimmt. Schaf, Katze, Pinguin und Eule sind auch ganz wunderbar, vor allem weil es sich letztlich immer um die gleiche Grundform handelt, das Ergebnis aber ein vollkommen anderes ist. Darüber hinaus bietet das in bekannter Dorling-Kindersley-Systematik gestaltete Buch mit der Schritt für Schritt Bildanleitung eine Vielzahl kleiner Geschenkideen und Übungsprojekte, die sich problemlos aus Wollresten realisieren lassen. Glücksbringer, Fingerpüppchen und kleine Taschen lassen sich zudem mit Perlen, Bändern und was sich sonst noch in der Handarbeitsrestekiste befindet verzieren. Bevor es jedoch losgeht, befindet sich am Anfang des Buches eine genaue Übersicht über das benötige Material und ein Fotogrundkurs, der in die Technik des Maschenanschlagens, das Stricken rechter und linker Maschen sowie das Abketten einführt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Tolle Wolle, Strickschule für Kinder mit fröhlichen Einsteigerprojekten: Dorling Kindersley, 2016, € 9,95.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

9783219115468-300x262So manches Mal fiel mein Blick in den letzten Jahren auf den alten Birnenbaum, der den Weg zum Supermarkt verschönt. Dieses Jahr schmückt sich der Baum in überbordender Fülle mit großen, prallen Früchten. Letzte Woche drang dann unversehens ein zartes Stimmchen an mein Ohr. Ob ich Birnen kaufen wolle, fragte der junge Geschäftsmann im besten Grundschulalter und bot auch gleich  eine Kostprobe der frisch geernteten  Früchte feil. Schnell wurden wir uns handelseinig und ich trat mit vier Birnen den Heimweg an. Es dauerte nicht lange und einzelne Verse von Theodor Fontanes berühmtem Herbstgedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ schwirrten mir im Kopf herum. Ein guter Grund, um die bibliophil gestaltete Ausgabe mit Leinenrücken, illustriert von Bernd Streiter in die Hand zu nehmen und in den unvergleichlichen Bildern aus einer fernen Zeit zu versinken und den klangvollen Text neu zu entdecken. Die ländliche Idylle ist von zerbrechlicher Natur und nur solange von Dauer, wie der alte Herr von Ribbeck die Fäden in der Hand hält. Den eindrucksvoll zum Ausdruck gebrachten Generationenkonflikt habe ich erst jetzt richtig zur Kenntnis genommen.

„Aber der alte, vorahnend schon und voll Misstrauen gegen den eigenen Sohn, der wusste genau, was damals er tat, als um eine Birn ins Grab er bat, und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus, ein Birnbaumsprössling sprosst heraus.“

In einer Gesellschaft, die Lebensmittel im Überfluss hat, zeugt es von Weitsicht und einer gehörigen Portion Pragmatismus, wenn man als Familie beschließt, die reiche Ernte, die man nicht verwerten kann gegen einen kleinen Obolus zu verkaufen. Herr von Ribbeck hätte hieran bestimmt Gefallen gefunden.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 6 Jahre.

Fontane, Theodor: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Annette Betz, 2012, €14,95.

Neu in der Familie: Chamäleon Ottilie

chamaeleon-ottilieWelche Eltern fürchten ihn nicht, den beharrlich vorgetragenen Wunsch nach einem Haustier? Zum Vierzigsten überreichten mir meine Eltern Anfang des Jahres ein Erinnerungsalbum, dem der gemalte Wunschzettel aus dem Jahre 1982 beilag. Bestellt hatte ich einen Cockerspaniel, bekommen einen wunderschönen Boxer-Schäferhundmix namens Wum. Nach langem Reden, Bitten und Betteln war die illustriert vorgetragene Version des Wunsches der letzte Versuch, angesprochen waren in dem Fall auch nicht meine Eltern, sondern das Christkind. Wenn diese Instanz es nicht richten konnte, wer dann? Paul und Anna Sausebier sind in ihrem Wunsch nach einem vierbeinigen Familienmitglied nicht ganz so festgelegt. Das Repertoire reicht von Schlange, Elefant über Dackel, Katze und Pferd. Begeisterungsstürme löst weder das eine noch das andere bei den Erziehungsberechtigten aus. Ausgesprochen witzig ist die bildliche Darstellung dieser Szene. Die Vorschläge der Kinder sind – ebenso wie die Gegenargumente der Eltern – in Sprechblasen mit einem pointierten Piktogramm dargestellt. Was jedoch keiner weiß, der Haushalt Sausebier beherbergt längst ein Tier. Unbemerkt, weil gut getarnt und mit der Umgebung förmlich verschmelzend hat sich das kleine und possierliche Chamäleon Ottilie bei der Familie niedergelassen. Die quirligen Bilder von Barbara Scholz werden von den nicht minder fidelen Reimen von Andrea Schomburg begleitet. Besonders charmant ist der lokale Bezug zu unserer schönen Heimatstadt. Wer diesen und die vielen, im Bild versteckten Ottilies entdecken will, ist herzlich eingeladen, die Geschwister Paul und Anna in ihrem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Bemühen ein Haustier zu bekommen, zu begleiten.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 4 Jahre.

Schomburg, Andrea; Scholz, Barbara: Neu in der Familie: Chamäleon Ottilie, Fischer/Sauerländer, 2016, € 14,99.

 

Warten auf Goliath

jpgSchon der erste Satz macht deutlich, dass der Bär, obwohl er an einer Bushaltestelle sitzt, nicht auf den Bus wartet. „Seit dem frühen Morgen sitzt Bär da und wartet.“ Und in der Tat im Verlauf der Geschichte fährt lediglich ein Bus vorbei und zu diesem Zeitpunkt sind die Rotkehlchen im Baum neben der Haltestelle bereits Richtung Süden aufgebrochen und der Baum selber trägt sein Herbstkleid. Zugegeben, auch mir kam das nach Süden reisende Rotkehlchen etwas komisch vor, doch dank einschlägiger Nachschlagewerke weiß nun auch ich, dass die Rotkehlchen in Nord- und Osteuropa den Winter im Mittelmeerraum verbringen. Ein Umzug in wärmere Gefilde kommt für den Bär jedoch nicht in Frage. Zum einen würde dies bedeuten, dass er nicht mehr daran glaubt, dass sein Freund Goliath kommt und zum anderen wäre es auch gegen seine Natur. Stattdessen fällt er an Ort und Stelle in Winterschlaf. Im darauf folgenden Frühling ist es dann soweit. Der unerschütterliche Glaube an den Freund wird belohnt. Goliath kommt tatsächlich, nahezu lautlos ohne viel Aufhebens um sich zu machen, nährt er sich dem Bär, „so, wie jemand mit der Hand über ein Stück Papier streicht.“ Die liebevoll von Anja Damm mit Papierfiguren in Szene gesetzte Geschichte erinnert in ihrer künstlerischen Machart an einen Guckkasten. Ein Relikt vergangener Tage, heute allenfalls im Kunstunterricht reaktiviert. Die Ruhe und Intensität, die mit der Betrachtung eines solchen Mikrokosmos einhergeht, fügt sich hier wunderbar in die Geschichte. Zeit spielt nämlich keine Rolle. Weder gibt es einen Busfahrplan, noch Seitenzahlen. Einzig die Vorfreude auf den Freund, das Vertrauen in das Wort des Freundes und das feste Band der Freundschaft zählen. Das Voranschreiten von Zeit wird hier nicht in Zahlen, sondern in der Veränderung der Umgebung bemessen.

Buchtipp von Minea Süss

Damm, Antje: Warten auf Goliath, Moritz, 2016, € 12,95.

Bienen

U_5915_1A_BIENEN.IND75Waren im Garten meiner Eltern bisher hauptsächlich Lavendel, Sommerflieder und der Gartenhibiskus ausgesprochen beliebte Orte für das sprichwörtlich bienenfleißige Flugvolk, das so emsig von Blüte zu Blüte schwebt, um Pollen und Nektar zu sammeln, hat dieses Jahr der neu errichtete Tomatenunterstand (stellen Sie sich einen Carport ohne Auto vor), den anderen Gewächsen deutlich den Rang abgelaufen. Geschützt vor Nässe von oben und mit stetiger Luftzirkulation dank der offenen Bauweise, haben sich die Tomaten zu stattlicher Höhe und Breite mit unzähligen Blütenrispen entwickelt, die nun von ganzen Heerscharen brummender und summender Bienen besucht werden. Neben der Geräuschkulisse ist vor allem das Agieren der Tiere untereinander ausgesprochen beeindruckend. Es scheint eine Höhere Ordnung zu geben, die verhindert, dass eine Konkurrenz um die Blüten entsteht. Weitaus ruhiger, ja geradezu gemütlich geht es zu, wenn man sich diesen wendigen Flugtieren über das berückend schön gestaltete Buch von Piotr Socha nährt. Auf großformatigen Doppelseiten taucht man in die Welt der Bienen ein und erfährt schon auf der ersten Bildtafel erstaunliches. Bereits zur Zeit der Dinosaurier, also vor ca. 100 Millionen Jahren, gab es Bienen. Die heutigen Insekten kann man dann auf der folgenden Bildtafel wie unter dem Mikroskop oder einer Lupe in vielfacher Vergrößerung genau bestaunen. Einzelne Körperteile wie z. B. Facettenauge, Kopf und Stachel sind nochmals gesondert als vergrößerte Detailansicht hervorgehoben. Im weiteren Verlauf wird die gesamte Kulturgeschichte dieses für den Fortbestand des ökologischen Gleichgewichts und der Artenvielfalt so wichtigen Insekts in kurzweiligen, mit gut verständlichem Text unterlegten Bildern, erzählt. Dabei zeugt der charmante Humor in der grafischen Umsetzung von einem unverstellten Blick und Begeisterung für das Thema.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 7 Jahre.

Socha, Piotr: Bienen, Gerstenberg, 2016, € 24,95.

Mount Caravan – Die fantastische Fahrt im Nimmerzeit-Express

Mount CaravanWaisenkinder, die in dubiosen Institutionen ihr Dasein fristen, abgeschoben von den erwachsenen Verantwortlichen, gemobbt von Gleichaltrigen, gibt es in der Literatur zuhauf. Anna Ruhe ist es trotz des unüberschaubaren literarischen Erbes gelungen, eine Figur zu erschaffen, die sympathisch normal ist und deren Haupttalent in einer ausgeprägten Gabe zur Empathie liegt. Jakes andere Begabung, stets zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, in jedes, aber auch jedes Fettnäpfchen zu treten, wird erst mit einem erneuten Schulwechsel unterbrochen. Fortan ist alles anders. Schon der Name der Schule – Mount Caravan – deutet auf einen ungewöhnlichen Schulbetrieb hin. Schade nur, dass die Autorin den Ort der Handlung nach England verlegt hat. Wenn man sich eine Schule bestehend aus Wohnwagen mit ausklappbarer Sonnenterrasse auf dem Dach vorstellen kann, dann hier. Generationen von Kindern sind mit Peter Lustig groß geworden und die Tatsache, dass es bereits seit einigen Jahren einen Nachfolger dieser beliebten TV-Figur gibt, der genau wie sein Vorgänger in dem blau gestrichenen Bauwagen idyllisch im Grünen residiert, lässt ahnen, dass sich diese leicht anarchische Wohnform keinesfalls überholt hat. Die liebevolle und detailgenaue Beschreibung der Wohnwagen, in denen immer zwei Kinder untergebracht sind, löst beim Lesen nahezu zwangsläufig Fernweh aus. So pittoresk dieses außergewöhnliche Internat auch ist, eine Bedrohung der Schule lauert in Gestalt eines ehemaligen Schülers diffus hinter jeder Ecke und ob man der Lehrerin für Imaginistik trauen kann, ist auch nicht ganz klar. Dank seiner Freunde Ava und Finley erprobt Jake seinen Mut und kann am Ende stolz von sich behaupten das Herz der Schule, das sagenumwobene Skriptum Futurum nach bestem Wissen und Gewissen verteidigt zu haben.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Ruhe, Anna: Mount Caravan, Die fantastische Fahrt im Nimmerzeit-Express, Arena, 2016, € 12,99.

Jackaby

JackabySpätestens bei der Lektüre von William Ritters „Jackaby“, merkt der eingeschworene Harry Potter Fan, wie umfangreich sein Wissen über magische Wesen jeglicher Art ist. Hausgeister, Kobolde, Rotkappen und Banshees – um nur einen Bruchteil der paranormalen Erscheinungen zu nennen – sind uns so vertraut, wie die Nachbarn von nebenan. J. K. Rowling hat also wahrlich Aufklärungsarbeit geleistet und wer nun meint, William Ritters Figur des auf übernatürliche Phänomene spezialisierten Privatdetektivs sei ein müder Abklatsch eines im 19. Jahrhundert auf Geisterjagd gehenden Ermittlers, der in seiner Schmächtigkeit verdächtig an den Jungen mit der gezackten Narbe auf der Stirn erinnert oder einmal mehr den aus der Literatur ebenfalls hinlänglich bekannten Berufsstand des Geisterjägers  bemüht, kann sich beim Lesen vom Gegenteil überzeugen. Denn der wahre Held ist nicht der mit Expertenwissen ausgestattete Detektiv, sondern die junge Ausreißerin Abigail Rook. Ausgestattet mit einem wachen Verstand und dem Forschergeist ihres Vaters, schwebt Abigail ebenfalls eine Tätigkeit als Anthropologin bzw. Paläontologin vor. Die Vorstellung im Hörsaal zu sitzen, nimmt ihr schier die Luft zum Atmen und ehe man sich versieht, macht sich das behütet aufgewachsene Mädchen allein auf den Weg, um in Jungenkleidern an einer Ausgrabung teilzunehmen. Mit einer gesunden Portion Selbstironie, einem sicheren Gespür für Situationskomik und dem Mut, auch dann zu seinen Entscheidungen zu stehen, wenn es nicht nur unbequem, sondern auch gefährlich wird, nimmt einen schnell für diese in ihrer Zeit vollkommen unkonventionelle und gegen den Strom schwimmende Protagonistin ein. Denn wie viele weibliche Detektiv-Assistentinnen, die sich schon nach kurzer Zeit Detektivin nennen dürfen wird es 1892 schon gegeben haben?

Buchtipp von Minea Süss

Ab 12 Jahre.

Ritter, William: Jackaby, cbt, 2016, € 9,99.

Sally Jones – Mord ohne Leiche

U_5874_1A_SALLY_JONES_MORD_OHNE_LEICHE.IND11Allen, die in den Ferien daheim bleiben und mit dem Wetter hadern oder die noch auf der Suche nach einem dicken Abenteuerroman, einer unglaublichen Freundschaftsgeschichte, einem außergewöhnlichen Krimi, einem Buch für Musikliebhaber und Technikbegeisterte sind, sei, ebenso wie all jenen, die gut erzählte Geschichten lieben, Sally Jones ans Herz gelegt.

Jakob Wegelius hat mit Sally Jones eine Protagonistin erschaffen, mit der Lesende bei der Lektüre durch alle Höhen und Tiefen gehen, die das Leben über mehrere Jahre hinweg der unerschrockenen Erzählerin zumutet aber auch schenkt. Von der ersten bis zur letzten Seite – dazwischen liegen wahrhaftig stolze 616 -zieht einen die melancholisch bis heiter erzählte Geschichte in ihren Bann. Getippt auf einer alten Schreibmaschine, lässt Jakob Wegelius seine Figur jene Geschehnisse zu Papier bringen, die sie zu dem gemacht haben, was sie am Ende der Geschichte ist. Ein Menschenaffe, der sich von Anfang an über seine Grenzen im klaren ist, diese jedoch stetig neu auslotet und überschreitet, einzig das Ziel vor Augen den unschuldig inhaftierten Freund mit dem Beweis seiner Unschuld aus dem Gefängnis zu befreien und das unverbrüchliche Band der Freundschaft zu erhalten. Allen Handlungen dieses mit einer seinesgleichen suchenden Würde ausgestatteten Wesens, wohnt eine Aufrichtigkeit inne,  die mehr als einmal Gänsehaut verursacht. Spannende, gruselige, skurrile, anrührende, traurige und schöne Momente liegen in dem dicht erzählten Roman nah beieinander. Die Suche nach dem Mörder bzw. der Leiche, führt in die entlegensten Winkel der Erde und gehört zu dem besten Seemannsgarn, das ich kenne.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 10 Jahre.

Wegelius, Jakob: Sally Jones – Mord ohne Leiche, Gerstenberg, 2016, € 19,95.

Mein Riesenbilderbuch – Sachen suchen – Alle meine Tiere

Riesenbilderbuch

Eine Reise durch unterschiedliche Klimazonen und der damit verbundenen Flora und Fauna lässt sich in Bonn problemlos an einem Tag realisieren. Das Museum König, der Botanische Garten oder der in der weiteren Nachbarschaft gelegene Kölner Zoo laden gerade in den Ferien dazu ein, die Sehenswürdigkeiten vor der eigenen Haustür zu entdecken. Damit man sich an Ferienruhetagen, die man Zuhause verbringt nicht langweilt, kann man mithilfe des überdimensionierten Pappbilderbuchs von Amrei Fechner zu einer Safari der besonderen Art aufbrechen. Gestartet wird im Nahbereich. Sowohl das Titelbild, als auch die erste Schautafel entführen uns auf einen Bauernhof. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Kühe, Pferde und Schafe sind auf der Weide, der Hahn kräht auf dem Misthaufen, auf dem Dach klappert der Storch und auch die Schwalben in der Luft fehlen nicht. Um auch die kleinen Lebewesen wie Insekten oder den unterirdisch lebenden Maulwurf und die possierlichen Feldmäuse sichtbar zu machen, ist dieser Bildausschnitt perspektivisch herangezoomt.

Vom europäischen Bauernhof geht es dann geradewegs in die weite Steppen- und Savannenlandschaft des afrikanischen Kontinents. Einmal umblättern und schon stellt sich den aufmerksam Schauenden die Frage, wo sich  Graukopfliest, Gnu und all die anderen Tiere versteckt haben. Am linken Bildrand sind die jeweiligen Tiere nochmals gesondert mit Namen aufgeführt und bieten somit nicht nur einen Suchanreiz, sondern auch eine nette Hilfestellung für all jene, die das eben erwähnte Vogeltier fälschlicherweise als Eisvogel verorten.

Nach Stationen „Am Nordmeer“, „Im Urwald“, „Am Wildbach im hohen Norden“ und einem Abstecher in „Die Unterwasserwelt“ eines Korallenriffs, landen wir wieder in heimischen Gefilden. Die Aufregende und abwechslungsreiche Rundreise schließt mit einer Nachtwanderung durch den Wald ab. Langweilig? Keinesfalls. Getarnt vom fahlen Mondlicht, sind zahlreiche Tiere unterwegs und warten darauf entdeckt zu werden.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 2 Jahre.

Fechner, Amrei: Mein Riesenbilderbuch, Sachen suche, Alle meine Tiere, Ravensburger, 2016, € 19,99.

Herr Nashorn macht Urlaub

0704_Nashorn_Cover_Z.inddSpätestens seit „Gute Nacht, Gorilla“, „Das große Gähnen“, „Erdmännchen Gustav“ oder „Du schnarchst Schubert“, wissen eifrige Bilderbuchbetrachter, dass Zootiere sehr unternehmungslustig, kreativ und konsequent in ihren Äußerungen sein können. Raphaël Baud und Aurélie Neyret haben mit Herrn Nashorn eine weitere sympathische Figur geschaffen, die nicht nur in einem Zoo lebt, nein Herr Nashorn arbeitet – wie übrigens alle anderen Tiere auch – im Zoo. Geht man also Tagein und Tagaus einer geregelten Tätigkeit nach, hat man selbstverständlich auch Anspruch auf Urlaub, um sich zu erholen. Herr Nashorn bucht Afrika. Nach sorgfältigem Kofferpacken und einer Verabschiedungsrunde ist es endlich soweit. Die Reise kann beginnen.

Die bereits auf dem Titelbild vermittelte Weite afrikanischer Savannenlandschaften wird im Buch selber durch Doppelseiten, die ein Minimum an Text aufweisen und schließlich nur noch die Eindrücke vollkommenen Einsseins mit sich und der Landschaft einfangen, und auf jeglichen Begleittext verzichten noch verstärkt. Eindrucksvoll, wie Licht und Schatten den Blick in unbekannte Welten gleiten lassen oder dazu einladen, sich neben Herrn Nashorn ans Lagerfeuer zu setzten und den Sternenhimmel zu genießen. Bilder mit solch einer Weite und Tiefe regen zum gemeinsamen Schauen, Schweigen, Staunen und Erzählen ein. Bevor es nach zwei Wochen gut erholt zurückgeht, muss Herr Nashorn allerdings noch etwas erledigen. Dem besten Freund hat er ein Souvenir versprochen und das besorgt er nun. Der Träne im Knopfloch, die sich bei der Abreise von Daheim eingeschlichen hatte, folgt bei der Rückkehr ein ausgelassenes Fest der Wiedersehensfreude. Und an dem Mitbringsel haben alle ihren Spass. Wohl dem, der seine Wünsche mit Sorgfalt wählt.

Buchtipp von Minea Süss

Ab 3 Jahre.

Baud, R. , Neyret, A.: Herr Nashorn macht Urlaub, Atlantis, 2016, € 14,95.