Abenteuer
Die Borger
Wer kennt es nicht: Beim Einschlafen knarrt es plötzlich in den Dachbalken, beim gemütlichen Mittagessen stürzt der frisch weggeräumte Kochlöffel aus seiner Halterung oder es ist einfach schon wieder der Zucker schneller leer als erwartet. Bei mir stellte sich der Zuckerdieb als meine jüngere Schwester heraus. Allerdings wird gemunkelt, dass es auch andere Gründe für das Verschwinden mancher Dinge gibt.
Vielleicht wurde ja schon einmal das Wort „Borger“ erwähnt? Nein? Borger – das sind handgroße Menschen, die in verlassenen Mäuselöchern, zwischen Dielenbrettern oder hinter dem Bücherregal leben. Und das heimlich und versteckt. Die Borger sind Menschen, die seit Generationen von eben diesem Leben: Sie borgen sich Dinge aus – sei es ein Stück Radiergummi, eine Haarspange oder eine zerbrochene Sticknadel –, mit nur so wenig, dass es kaum auffällt, bestreiten sie ihr Leben.
Arietty, das vierzehnjährige Borgermädchen, langweilt sich dennoch manchmal. Denn sie ist als einziges Kind doch etwas einsam. Aber dann begeht sie ein großes Tabu: Sie freundet sich mit einem Menschenjungen an und diese Freundschaft bleibt der neugierigen Haushälterin nicht verborgen…
Buchtipp von Fanny Berger
Kinderbuch ab 10 Jahren
Mary Norton: Die Borger
Fischer-Sauerländer – 978-3-7373-7427-9 – 12,90€
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Die graue Stadt
Robin ist gerade erst in die Stadt gezogen. Im neuen Wohnort ist alles anders. Als wären die Farben abgesaugt, fehlt überall das Bunte. Häuser, Autos, Kleidung, Hunde, selbst der Himmel ist grau. Nur Robin in ihrem Lieblingsregenmantel sticht knallig gelb aus jeder Menschenmenge heraus. Als sie in der neuen Schule ein Bild mit ihren eigenen bunten Stiften malt, anstatt mit den standard-grauen, wird sie zum Nachsitzen verdonnert. Glücklicherweise lernt sie genau dort einen Jungen kennen, Alani. Der hat die grauen Farben und die Regeln, die damit kommen, genauso satt wie Robin. Die beiden Kinder wissen, dass an der vergrauten Stadt irgendetwas falsch ist und versuchen, hinter ihr Geheimnis zu kommen…
Wieder ein beeindruckend illustriertes Bilderbuch von Torben Kuhlmann, dem Autor von „Lindhberg“ und anderen Mäuseabenteuern!
Buchtipp von Fanny Berger
Bilderbuch ab 5 Jahren
Torben Kuhlmann: Die graue Stadt
NordSüd – 98-3-314-10652-1 – 20,00€
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Ein Lied für Blue
Iris hat es nicht leicht auf ihrer Schule. Das Gefühl, von anderen nicht verstanden zu werden, begleitet sie Tag für Tag. Denn Iris ist gehörlos und eine der wenigen Kinder, die sich ohne Gehör im Unterricht zurechtfinden müssen. Und leider machen ihr diverse Mitschülerinnen und Lehrer das Leben nicht leichter. Ihr Gedicht, das sie im Englischunterricht geschrieben hat, erhält sie rot durchgestrichen wieder zurück. Natürlich, gereimt war es in diesem Sinne nicht. Doch wie sie es früher immer mit ihrem Großvater gemacht hatte, reimten sich die Wörter und Sätze so aufeinander, dass die Hände, die die Gebärden ausführten, immer die gleiche Form behalten mussten. Doch Iris‘ Lehrerin hat keine Augen für eine solche Kunst.
Und so vereinsamt Iris immer mehr, obwohl sie umgeben ist von unzähligen anderen Schülern. Im Biologieunterricht ändert sich plötzlich alles. Die Kinder schauen einen Film über den Bartenwal „Blue 55“, der sich von seinen Artgenossen unterscheidet. Blue singt auf einer höheren Frequenz als die anderen Wale, die ihn zwar hören, aber nicht verstehen können.
Iris fühlt sich sofort mit dem Tier verbunden. Endlich ist sie nicht mehr die Einzige, die sich unverstanden fühlt. Zu Hause lässt sie der Gedanke an den Wal nicht mehr los und schnell stößt sie auf eine Karte, die die Schwimmroute von Blue zeigt.
Schon bald hat sie einen Plan entwickelt. Iris möchte Blue unbedingt treffen. Gemeinsam mit ihrer Großmutter heckt sie einen waghalsigen Plan aus, der sie mit einem Kreuzfahrtschiff bis nach Alaska bringen soll – und dass, obwohl sich Iris im Unterricht und die Großmutter im Seniorenheim befinden sollten. Und das Beste: Iris komponiert ein Lied für Blue, das auf der Frequenz des Wales erklingt und ihm zeigen soll, dass er nicht allein ist.
Lynne Kelly schafft es wundervoll, die packende Geschichte von Iris, Blue und ihrer Großmutter mit aufklärendem Inhalt zum Thema Gehörlosigkeit und Meeresbiologie zu verbinden und schürt die Neugierde auf das Buch. Das wohl einfühlsamste und herzerwärmenste Jugendbuch der letzten Jahre, das den Leser schon auf den ersten Seiten in seinen Bann zieht.
Buchtipp von Fanny Berger
Jugendbuch ab 11 Jahren
Kelly: Ein Lied für Blue; WooW Books; 18,00€
Fluss abwärts nach Amerika
Der Fischerjunge Jacob hat einen waghalsigen Plan: Er muss den Rhein herunterreisen, um über Rotterdam nach Amerika zu gelangen. Das ist gar kein einfaches Unterfangen im Jahr 1790.
Jacob sieht aber keinen anderen Ausweg, denn er hat den Schlüssel zur wertvollen Zunfttruhe der Fischer im Fluss verloren – unauffindbar. Dass es ein Missgeschick und kein Diebstahl war, wird ihm, dem Findelkind, niemand glauben.
Und so begibt sich Jacob auf eine weite und gefährliche Reise, begleitet von seinem Schwein und dem frechen Gaunermädchen Amie.
Kinderbuch ab 12 Jahren
Petra Postert: Fluss abwärts nach Amerika
Tulipan, 17,00€, 978-3-86429-610-9
Goldene Steine
Als Leon einem Mann aus Spaß die Kappe vom Kopf schlägt und mit ihr wegläuft, denkt er sich erst einmal nichts dabei. Aber als er kurz darauf von zwei Unbekannten brutal zusammengeschlagen wird, weil er ebendiese Kappe trägt, gerät seine Welt aus den Fugen. Yara ist erst vor kurzem in die Gegend gezogen und lernt durch Zufall Leon und Nikolai kennen. Erst durch ihre gemeinsamen Gespräche wird klar, was die drei verbindet: Yara beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dem Judentum und vor allem dem Holocaust. Stolpersteine, die vor ihrem Haus liegen und ihre Nachbarin Frau Winter, brachten sie näher an die jüdische Geschichte heran. Nikolai ist Jude und ahnt bereits nach den ersten Treffen mit den beiden, dass der Angriff auf Leon eigentlich ihm galt. Denn die Kappe ist in Wahrheit eine Kippa. Und dann ist da Leon, der ganz unwissend in ein größeres Schlamassel gerutscht ist. Im Laufe der Geschichte dann finden sie nicht nur viel über die Hintergründe der Tat heraus, sondern auch über sich selbst - und über den Wert von Freundschaft.
Sehr beeindruckend und lehrreich, gleichzeitig einfühlsam und wundervoll zu lesen!
Buchtipp von Fanny Berger
Kinderbuch ab 12 Jahren
Cornelia Franz: Goldene Steine
Carlsen – 978-3-551-58517-2 – 14,00€
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Martin & Jack - Von Hundebesitzern, Katzenjägern und der Suche nach dem Glück
Schweden, ca. 1910:
Martin wächst als Mündel eines hartherzigen Bauern auf einem Hof auf. Dort muss er schwere Arbeit leisten und wird dennoch immer von seinem Vormund, Pär Pärsson, angetrieben. Nur ein Brief seines Vaters, von dem Martin als Kleinkind bei einem Waisenhaus abgegeben worden war, hält den Jungen davon ab, zu rebellieren. Mit siebzehn Jahren, so verspricht es der Bauer, werde er den Brief gemeinsam mit Martin lesen und die Geschichte über seinen Vater enthüllen. Auf dem Hof lebt ebenso Jack, ein älterer Hund, der es liebt, Zeitungsausschnitte zu sammeln und unter der Treppe auf einer alten Decke zu schlafen. Es wird immer klarer, dass er nicht mehr in der Lage ist, den harten Anforderungen des Bauern gerecht zu werden. Als ihm eines Tages ein großer Fehler passiert, platzt Pär Pärsson der Kragen und er jagt Jack vom Hof.
Doch dann geschieht das, was das ganze große Abenteuer um Martin und Jack erst ins Rollen bringt: In der Nacht verabschiedet sich der Hund heimlich von Martin und eröffnet ihm, dass sein Vormund ihn all die Jahre betrogen habe. Der Brief, den sein Vater geschrieben haben soll, beinhalte nichts Weiteres als eine Anweisung eines Tierarztes. Keine Worte von Martins Vater, keine Verbindung zu dessen Familie. Martin ist entrüstet und enttäuscht. Betrogen von der Person, der er anvertraut worden war, packt er kurzerhand seine wenigen Habseligkeiten und beschließt, sich Jack anzuschließen, um den Hof zu verlassen. Glücklicherweise wird schnell klar, dass Jack Martins Vater von der ersten und einzigen Begegnung wiedererkennen könnte. Ein großartiges Abenteuer voller Freundschaft und Spannung beginnt, das noch heikler zu werden scheint, als Martin und Jack ihre Gesichter als Fahndungsbilder auf einer Zeitung sehen.
Die Autorin Frida Nilsson hat mit dieser Geschichte für Lesende ab elf Jahren ein wundervolles Abenteuer geschrieben. Ihr unverwechselbarer Schreibstil gemischt mit sprechenden Hunden, mutigen Kindern und interessanten Protagonisten zieht sofort in den Bann.
Buchtipp von Fanny Berger
Buch ab 11 Jahren
Frida Nilsson: Martin & Jack – Von Hundebesitzern, Katzenjägern und der Suche nach dem Glück
Gerstenberg – 978-3-8369-6276-6 – 22,00€
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Motte und die Metallfischer
Man stelle sich die Schätze vor, die in den träge fließenden Kanälen warten könnten, während sich das Wasser durch die Stadt schlängelt. Einst prächtige Schlüssel, die von versteckten Schatzkisten sprechen. Münzen, an denen bereits verflossene Wünsche hängen.
Und genau diese Art von Schätzen faszinieren Motte. Die Ruhe und das Alter, das sie ausstrahlen, fernab von der schrillen Mutter, ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit und den zu pompösen Kleidern. Da die aufgesetzte Stimmung ihrer Mutter ihr zu Hause abermals zu viel wird, flüchtet Motte sich an die Kanäle, an denen die Luft nicht allzu flau zu sein scheint. Dort lernt sie die „Metallfischer“ kennen. Menschen, die mit dicken Handschuhen, einem langen Seil und einem schweren Magneten an den Kanälen stehen und nach genau diesen Schätzen suchen. Fasziniert darf Motte einem jener Fischer beim Angeln zusehen, und als sie sogar selbst einmal den Magneten ins trübe Wasser werfen darf und sie ihre ersten eigenen Fundstücke von der Angelleine pflückt, hat sie der Ehrgeiz gepackt: mit ihrem letzten Taschengeld kauft sie sich einen eigenen Magneten. Motte hat schon bald den Kniff raus: wie weit sie den Magneten ins Wasser schleudern muss, ob sie Wellen miteinberechnen muss, oder wo sie sich vor Seegras hüten soll. Trotz der vehementen Gegenwehr ihrer Mutter zieht Motte schon bald Metall nach Metall heraus und darf sogar nach einigen wenigen Tagen bereits ihren eigenen Bereich am Kanal einnehmen. Ausgerechnet an ihrem Platz sind vor kurzem Algen und Schlamm entfernt worden und der Anleger wurde an dieser Stelle schon seit Jahren nicht mehr beangelt.
Als Motte mit einem lauten „Klonk“ auf einen Schatz stößt, mit dem sie niemals gerechnet hätte, wird sie in ein großes Abenteuer verwickelt. Denn sie entdeckt ein echtes U-Boot. Und die Regel der Metallfischer lautet: Wer den Gegenstand angelt, darf ihn behalten.
Doch wieso hat ausgerechnet der fiese Millionär Bolwerd ein Auge auf ihren Schatz geworfen? Und was hat der geheimnisvolle Knopf im U-Boot zu bedeuten, der wie eine Sonne geformt ist?
Eine ungewöhnliche und aufregende Geschichte in einem alternativen Amsterdam beginnt…
Buchtipp von Fanny Berger
Kinderbuch ab 10 Jahren
Sanne Rooseboom: Motte und die Metallfischer
Magellan - 978-3-7348-4753-0 - 18,00€
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Sommer mit Krähe
Einige Kinder dürfen, sobald die Schulglocke den erlösenden Ton geklingelt hat, schnell aus dem Gebäude flitzen, um in den Urlaub zu fahren. Andere freuen sich auf die genüssliche Zeit ohne Schule, die sie mit Dingen verbringen können, auf die auch wirklich nur sie Lust habe.
Und dann gibt es da Ebba und Krähe. Die beiden besten Freunde hatten schon viel miteinander erlebt, denn so war das eben mit der Freundschaft. In genau diesem Sommer beschlossen die beiden, Ebbas Eltern einen Brief auf den Tisch zu legen, der erklärte, auf welches Abenteuer sie sich eingelassen hatten: Krähes lang verlorene Familie zu finden. Denn als Krähe noch ein kleines junges Vogelkind war, passierte es, dass er unbemerkt aus dem Nest viel. Viel zu früh, um überhaupt lernen zu dürfen, was es bedeutete, in einer Krähenfamilie groß zu werden. Nun erinnerte nur noch ein zerknittertes schwarz-weißes Foto an die verlorene Familie. Und dies war der Anlass zu unserem Abenteuer. Das Foto zeigte die schwedisch-norwegische Grenze, da waren sich Edda und Krähe sicher. Also mussten sie, um der einzigen möglichen Spur zu folgen, eben irgendwie an ebendiese Grenze kommen. Wie sollte das besser gehen, als gemeinsam ins Industriegebiet zu fahren und mit einem der zahlreichen LKW in ein anderes Land zu trampen? Was die beiden Freunde allerdings nicht bedacht hatten war, wie schwierig es sein würde, die LKW-Fahrenden mit Keksen und Saft zu überzeugen, ein Mädchen und eine Krähe mitzunehmen. Ein Fahrer gab nach und die Fahrt begann. Allerdings wurde mitten auf der Fahrt dann klar, dass der LKW mit seiner Ladung gar nicht nach Norwegen fuhr, sondern schnurstracks nach Frankfurt, Deutschland. Doch auch davon ließen die beiden sich nicht einschüchtern, stiegen an einer Raststätte aus dem Auto und begaben sich auf die Suche nach einem weiteren Transportmittel, dass sie irgendwie näher an diese Grenze bringen konnte.
Mit Floß und Fahrraddraisine stürzten sich die beiden in ein Abenteuer, das die Welt in der Art lange nicht gesehen hat.
Frida Nilsson in ihrem einzigartigen Stil überzeugt in schwedischem Charme und mit einer wundervollen Sommergeschichte!
Buchtipp von Fanny Berger
Buch ab 8 Jahren
Frida Nilsson: Sommer mit Krähe (und ziemlich vielen Abenteuern)
Gerstenberg - 978-3-8369-6146-2 - 15,00€
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Stadt der Magier und Diebe
Sehr geehrte Mitlesende,
es ist mir abermals ein großes Vergnügen, Sie heute begrüßen zu dürfen!
Für das heutige Abenteuer ist allerdings etwas Vorsicht geboten. So möchte ich Sie bitten, Ihre Taschen im Auge zu behalten und eventuell ein paar beschützende Talismane umzuhängen. Denn die Stadt Parnass ist nicht ohne Grund als Stadt der Magier und Diebe bekannt. Sie ist durchaus ein hartes Pflaster. Insbesondere für unseren Protagonisten Cor, der schon von klein auf sein Dasein in der Diebesgilde fristet und zum Überleben Diebstähle verüben muss. Zu seinem Pech wurde er vor kurzem zum zweiten Mal dabei von der Polizei geschnappt, was bedeutet, dass er nun als Arbeitssklave verkauft oder an den Galgen geschickt wird. Doch verzagen Sie nicht, werte Mitlesende, dieses grimmige Schicksal bleibt dem jungen Cor erspart. Er gerät nämlich bei der Auktion in den Dienst des Magiers Jonathan Fossel, welcher ihm auf Augenhöhe begegnet und ihn freundlich behandelt. Und nicht nur das: Ebenjener Zauberer lehrt den jungen Cor auch noch, die Magie zu nutzen, die in ihm steckt. In Parnass jedoch bleibt kein Frieden von langer Dauer, denn es gibt Berichte über sehr auffällige Diebstähle, die im Zusammenhang mit Morden stehen. So machen sich Jonathan und Cor daran, diese Diebstähle zu klären und die Morde zu stoppen.
In „Die Stadt der Magier und Diebe“ erwarten Sie viele gut geschriebene Charaktere und eine überaus spannende Handlung, die Sie das Buch nur selten aus der Hand legen lassen wird. Zuballerndem sticht das Werk auch mit einem wunderschönen Cover, welches diesem ein edles Aussehen verleiht hervor. So bleibt mir nur abschließend zu sagen, dass dieses Buch als Auftakt der Reihe Freude auf mehr macht, und zumindest ich für meinen Teil den zweiten Band kaum erwarten kann. Hier entlasse ich Sie nun in dieses Abenteuer, werte Mitlesende und wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Buchtipp von Jan Frederik Luft
Jugendbuch ab 12 Jahren
Judith Mohr: Stadt der Magier und Diebe
Carlsen - 978-3-551-58640-7 – 15,00€
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